Angst essen Seele auf!

06.08.2011 13:40:00 (Kommentare: 0)

Man kann Dinge nicht verschwinden lassen, nur weil man sich die Augen zuhält. Und: "Entscheiden" tut gar nicht weh!

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                                               Jeff Jarvis 2009, seit dem lediglich 4.832 Mal gesehen. Schade.

Um es mit Shakespeare zu sagen: "Etwas ist faul im Staate Dänemark!"

tl_files/Blog/Beitrag Angst Essen Seele auf /Hamlet_Monolog.png2009 hätte man noch sagen können "Geh! Schon wieder so ein Prophet der uns das Ende voraussagt, wie viele Gurus haben wir in den letzten Jahren schon so etwas sagen gehört?".

Das hätte aber voraussgesetzt, dass irgend wer das auch vorher gehört, in diesem Falle gesehen haben hätte müssen. Bei 4.832 Abrufen dieses Videos ist nicht davon auszugehen, dass auch nur ein österreichischer oder deutscher Journalist, geschweige denn Medienmanager, darunter gewesen sein könnte. Schade eigentlich.

Es ist auch schade, dass man immer Jeff Jarvis strapazieren muss, aber im deutschsprchigen Raum scheint es leider niemanden zu geben, der über die Zuknuft nachdenkt. Zumindest nicht öffentlich.

Und was kann man heute dazu sagen? Naja, der Kurier hat inzwischen über 100 Leute gekündigt, Bei "Österreich" schaut es mannschaftsmäßig auch nicht gerade nach Vollausstattung aus, der News Verlag hat sich auch einer personellen Null Diät verschrieben und der restliche Mitbewerb  kann auch nicht gerade mit Personalzuwächsen und Reichweitensteigerungen protzen.

Im TV schaut es auch nicht besser aus. Und dennoch: Es geht uns voll suppa!

Warum aber stimmen dann nirgens die Ergebnisse? Und wenn doch, warum müssen wir dann sparen und Mitarbeiter abbauen?

Ach ja - die Finanzkrise! Gott sei gedankt, dass uns die vor jedem fachlichen Argumentationsnotstand bewahren konnte.

Krisen sind überhaupt DER Renner in Sachen Erklärung von Minderleistung und Inkompetenz geworden, jedenfalls aber als sensationelles Schutzmäntelchen vor dem Schreckgespenst Innovation und Entscheidung. (Beides übrigens völlig aus der Mode gekommen).

Und der Mitarbeiterabbau hat zu so einem Ressourcenengpass geführt, dass jetzt eh jeder voll im Stress ist und zu nichts mehr kommt.

Die letzten zehn Jahre waren wirklich ein Ausredensegen. Internet Krise, Twin Towers und die Achse des Bösen, Irak Krise, Afghanistan Krise, Ölkrise, Immobilienkrise, Finanzkrise, Bankenkrise, Griechenlandkrise, EU Schuldenkrise und jetzt: USA Krise. Na Bumsti.

Alles Ereignisse die zwar direkt überhaupt nichts mit der Medien- und Kommunikationsbranche zu tun haben (operativ), aber wegen der "Globalisierung" ist alles so komplex geworden, dass die Auswirkungen nur für Experten erkennbar sind. Es ist halt alles so kompliziert und komplex geworden. Alles hängt irgendwie mit einander zusammen und so hat das eben auch dann der entlassene Mitarbeiter vom Kurier in der Lindengasse erlebt, dass der Osama und der Obama und der Tschortsch Dabbelju wohl näher an seinem Arbeitsplatz gefuhrwerkt hatten als er es annahm. Schwachsinn! Aber: die Ausreden funktionieren!

Warum genau nun Mitarbeiterabbau und Costcutting Programme über all die Jahre notwendig waren ist nicht so transparent, denn: die klassischen Medien sind ja nicht in der Krise, die Akzeptanz der Endverbraucher ist ja immer noch gleich super wie früher, und alles "Neue" - Internetz und so - ist zwar auch da, aber die Leitmedien bleiben doch die klassichen? Oder?

Vielleicht die böse Werbeindustrie? Die die Budgets gekürzt hat? Ja - wegen der Krise! Besser: den Krisen.

Nein, wohl auch nicht. 

Seit 10 Jahren hypnotisiert sich die Medienwirtschaft selbst. Das iPad - der Retter des Geschäftsmodells! Das APP! Ja, jetzt ist der elektronische Erlöser da, wir sind gerettet! Alles kann so weiter gehen wie bisher. Das APP macht alles wieder gut.

Tatsache ist: entweder wachen die Herrschaften schnell auf und erinnern sich an etwas, was schon mal modern war, nämlich, dass man auch mal was entscheiden kann, und handeln, oder sie machen weiter wie bisher - und so bitter es klingt: wer niemanden mehr zu managen hat, den braucht man auch nicht mehr.

Ein guter und erfolgreicher Manager ist keiner, der Ergebnisse verbessert durch Einsparung und Personalkürzung, denn das ist Management auf dem Niveau eines dressierten Schimpansen. EIn guter Manager ist einer, der Umsatz und Ergebnis real steigert durch Entscheidung, Innovation und neue Geschäftsfelder.

Das blöde daran ist: um kein dressierter Schimpanse zu sein müsste man auch wirklich was vom Handwerk verstehen. Das allein reicht aber noch nicht, denn man müsste auf dem Laufenden sein.

Das reicht aber auch noch nicht, denn man müsste dann auch noch unternehmerisch denken können.

Und das reicht leider auch noch nicht, denn jetzt müsste mann auch noch was entscheiden.

Das mit dem Entscheiden ist doof. Entscheidungen können auch falsch sein. Und das schaut nicht gut aus. Deshalb: wer nichts entscheidet, kann auch nichts falsch machen und wer nichts tut, kann also auch nicht scheitern.

Gute Strategie! (Für jemanden persönlich. Wirklich fatal für das Unternehmen, für das man verantwortlich ist).

Da bleibt nur zu hoffen, dass uns die Krisen nicht ausgehen. Nicht auszudenken was passierte, wenn auf einmal Hochkonjunktur herrschte! Wie käme man denn da um Entscheidungen herum?

Und übrigens, an alle Budgetritter: es gab einmal Zeiten, da hat man sich seine Budgets selbst verdienen müssen und die fielen damals nocht nicht vom (Aufsichtsrats)Himmel.

Naja, aber so wie der Zitronenfalter eben keine Zitronen faltet verhält es sich eben auch mit der Geschäftsführung. Das ist eben nur ein blödes Missverständnis.

Schlaf, Kindlein schlaf, der Google hüt' die Schaf, das Facbook schüttelts Bäumelein, da fällt herab ein Ausredlein, schlaf Kindlein schlaf, der Apple-Store verkauft sehr brav.

Oder: Lasst uns aufwachen und Geld verdienen! Wenn ihnen das gefällt - rufen Sie uns an! 


(Autor: Roland Ernst Nikitsch

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