Das große Erwachen!

23.09.2011 11:21:00 (Kommentare: 0)

Medientage und DMEXCO. Braucht es heute wirklich schon "Events" um sich mit einem allgegenwärtigen Thema zu befassen?

TV_APPs Video
                                                    ...für alle, die es noch nicht gesehen haben, wie sich so ein TV APP bedient (click to play!)

Für viele völlig neu. Wir arbeiten in diesem Segment seit 1999.

Als ich 1999 im Auftrag der Telekom Austria Tochter „Highway 194 Internet Vertriebs GmbH“ (besser bekannt durch ihre Produktlinie „Aon“ und später unter dem Namen „Jet2Web“) das erste Video-Breitband-Portal im deutschsprachigen Raum konzipierte, errichtete und im Auftrag der Gesellschaft auch betrieb, stellte sich vielerorts die Frage, ob Bewegtbild im Internet überhaupt eine Chance hätte.

Diese Frage polarisierte die Medienwelt. Die eine Gruppe, die hierin eine der wesentlichsten Entwicklungen sah und die zweite, die davon überzeugt war, dass es niemals Bewegtbild im Internet erfolgreich geben könne, da die hierfür notwendigen Bandbreiten zu kompetitiven Preisen nicht gewährleistbar wären.

Welche Gruppe recht behielt, ist seit Jahren im Netz und auf den TV Schirmen zu sehen (z.B. Aon-TV, das Fernsehprogramme in HD über IP streamt).

Die Herausforderung bestand damals wie heute nicht in der technischen Umsetzung eines Video Portals, oder in der Frage nach Codecs; vielmehr war es (ebenso damals wie heute) eine Frage der Rechte an den Inhalten und eine Frage, wie man solche Inhalte darstellen müsse um sie attraktiv und einfach bedienbar zu machen.

Icon Apple App Store

Die Bedienbarkeit ist heute durch die "APPs" gelöst. Das wesentliche an der Erfindung "APP" ist, dass es die erste Bedienoberfläche ist, die keine Tastatur benötigt und einfach zu "installieren" ist.



Ebenso damals wie heute stellten sich zwei essentielle Fragen:

  1. Wenn man schon Inhalte „neu“ produzieren musste, wie mussten die neuen „Formate“ beschaffen sein, damit sie dem Nutzungsverhalten entsprechen und 
  2. Wie müsste eine Oberfläche gestaltet sein, um neue Inhalte (Video) wie auch bestehende Inhalte (Text/Bild), neben einander darstellen zu können und einer „On Demand“ und „Lean Back“ Verhaltensweise bestmöglich zu entsprechen.

 

1999 begannen wir an der Lösung dieser Fragen zu arbeiten und konnten nach gut zwei Jahren zum Jahreswechsel 2000/01 die erste Oberfläche präsentieren, die diese Ansprüche erfüllte. 

Free-K_ScreenshotWir nannten sie „Free-K“.

(Als "Spass" hatten wir das "Kirch-Logo" gespiegelt und leicht abgewandelt, sodass es dem Forward-Knopf auf der Fernbedienung ähnelte.)

Diese Arbeit war aus vielen Gründen wichtig. Einerseits konnte sich (damals wie heute) niemand etwas vorstellen, bevor man es nicht prototypisch präsentierte, andererseits erlaubte uns diese Arbeit als erstes Unternehmen, die Grundlagen für all das Know-how zu entwickeln, auf dem heute jede Bewegtbildambition aufbaut ist und die von uns erarbeiteten Regeln bis heute Gültigkeit haben.






Vergleich ORF TVthek:

ORF TVthek ScreenshotAls ich 2007 den ORF Onlinedirektor auf die immer noch im Originalzustand aus 2001 online befindliche Plattform "Free-K" aufmerksam machte und anregte, darüber nachzudenken, ob man anstelle des damaligen IPTV Bereiches auf ORF On nicht vielleicht so etwas bereitstellen wollte, schien dies Früchte getragen zu haben.

Zwei Jahre nach meinem Vorschalg erblickte die ORF TVthek, wie wir sie heute kennen das Licht der Welt.

So gesehen macht es mich stolz, dass mein ehemaliger Arbeitgber auch heute noch auf mein Know-how zurück greift und es würdigt.






Die damals erarbeiteten "Regeln" waren:

 - Einzelbeiträge bis maximal 3,5 Minuten Länge: 
Wir konnten damals bereits identifizieren, dass Konsumenten auf diese Dauer in ihrer Aufmerksamkeit „trainiert“ waren. Ursache hierfür waren die Einflüsse der Musikvideo-Kultur der frühen 1980er Jahre. Damals entstand der Trend, jedes Musikwerk mit einem Musikvideo zu kombinieren und „Geschichten“ in genau der Länge eines Musiktitels zu erzählen. Das - wie wie alle wissen - sind üblicher Weise eben maximal 3,5 Minuten.

 - Interviewformate:
Keine Stimmen aus dem "Off", eine Kamera, ein Close up, Fragen als Einblender. Möglichst geringe Bildwechsel.

 - Ton:
Je besser der Ton, umso „schärfer“ das Bild. Wir konnten feststellen, dass auf PC Boxen ausgepegelter (nachbearbeiteter) Ton zu einem vom Nutzer subjektiv als besser und schärfer empfundenen Bild führte.


Längere Werke, weil bereits existent und rechtlich auch für Internet-Übertragung geeignet, konnten diese Vorgabe dann überschreiten, wenn ihr Inhalt ausreichend begehrlich erschien und anders eben nicht „ON Demand“ zur Verfügung stand (Stichwort: originäre Inhalte).


Die Vorgaben an die Oberfläche waren eine einfache Bedienbarkeit, die von der bereits gelernten Bedienoberfläche von Videospielen und damals weit verbreiteten „Multimedia CDs“ und DVDs abgeleitet wurde. Zum ersten Mal  hatten wir es also geschafft, Videoinhalte in einer Bedienungsoberfläche so zu arrangieren, dass sie logisch und intuitiv nutzbar wurden.

Nun kam der zweite, damals scheinbar unlösbare Schritt auf uns zu: Videoproduktion in TV Qualität ausschließlich für Internetmedien und deren Konfektionierung auf diese neue Oberfläche.

Es waren andere Zeiten damals. Wollte man Bewegtbild produzieren, so hatte man die Wahl zwischen einer Videoausstattung für den Heimgebrauch, deren Qualität - wie wir uns wahrscheinlich alle erinnern können - nicht im Ansatz an die der damals im professionellen Bereich eingesetzten Videotechnik heran kam - oder eben Profi-Equipment.

Wollten wir also das Ausgangsmaterial bereits in brauchbarer Qualität zur Verfügung haben, mussten wir uns dieses professionellen Equipments bedienen und das taten wir auch.

Heute sind diese Grenzen weitgehend verschwommen und die Investitionen in entsprechende Ausstattung mehr als überschaubar geworden.

Nun galt es zu beweisen, dass man einen Event 14 Tage lang „Live“ auch im Internet als Bewegtbildberichterstattung covern konnte.

Was hätte hierzu besser dienen können als eine Ski WM (2001 in St. Anton). Dank der Kooperation mit Krone.at und News.at konnten wir für diese wahrscheinlich internationale Premiere auch eine (für damalige Zeiten) breite Öffentlichkeit begeistern.

Es folgten weitere Produktionen im Auftrag von Wirtschaftsunternehmen. Ob es die erste Liveübertragung der Horizont Medientage (damals noch aus den Studios der Lotterien am Rennweg) war, oder der Rebroadcast des Wiener Energieformus, oder die Branchenberichterstattung von der Werbemesse Publica, oder die erste Internetübertragung des Live Balls aus dem Wiener Rathaus.

Auch hier ist der Rest Geschichte.

Ab 2001 war alles was mit Internet zu tun hatte oder nur so ähnlich hieß „ganz pfui“ und erst Jahre später begann man sich langsam in Europa diesem Thema wieder vorsichtig zu nähern.

Am 14. Februar 2005 gründeten drei ehemalige Mitarbeiter von PayPal ein seltsames Ding namens „YouTube“. Spezialisiert auf User Generated Content.

Auch damals war man in Österreich und Deutschland immer noch der Meinung: „Wer braucht so was?“ Am 09. Oktober 2006 gab Google die Übernahme von YouTube bekannt.

YouTube icon
Was aus YouTube wurde ist heute auch bekannt:

  • die zweitgrößte Suchmaschine der Welt (weil auch Content zum Suchen da ist) 
  • das größte Bewegtbildarchiv der Welt
  • die dritt meist besuchte Internetseite der Welt
  • die zweit größte Social Media Plattform der Welt 
Wenn der Standard.at heute über das "Erwachen" der Branche berichtet (Fernsehen ist tot - es lebe das Fernsehen)
fühlt man sich in vielen Aussagen wie der von Bertam Gugl bestätigt:

"Was derzeit passiert ist, dass die Fernsehsender ihre linearen Inhalte 1:1 ins Netz übertragen. Dabei vergessen sie aber auf ihre Kompetenz, Inhalte auszuwählen und ein Programm zusammenzustellen. Seitens der Sender wird noch nicht mal ernsthaft darüber nachgedacht, wie eine Programmierung fürs Netz aussehen kann..."

Vergleich:
Mein Interview vom 16.12.2000 im Wirtschaftsblatt: "Content: Weniger News, mehr Programm

Auch Hermann Hellwagner (Universitätsprofessor, Head of Research Group "Multimedia Communication" an der Universität Klagenfurt) ist der Meinung, dass ein "heisser Kampf" um die TV Schrime in den Wohnzimmern ausbrechen wird und Fernsehen in naher Zukunft lediglich ein "APP" sein wird.

Vergleich / Artikelempfehlungen:
K-Journal: "Von Visionen und langen Wegen
K-Journal: "Die Auswirkungen: Internet am TV für die werbetreibende Wirtschaft
K-Journal: "Die Auswirkungen: Internet am TV für die Medienanbieter
K-Journal: "Dagegen ist das iPad Pipifax"
K-Journal: "Warum das Internet am Flatscreen auch ohne Streaming von TV Sendern ein Renner wird

YouTube XL-TV-Screen
Und wer YouTube heute schon am TV Screen erleben will, der kann das mit der von YouTube hierfür entwickelten Oberfläche YouTube-XL bereits heute tun!

Diese Oberfläche steht im übrigen bereits seit mehr als zwei Jahren zur Verfügung.

Und ob via Browser auf der Spielekonsole, oder PC, Laptop, iPad, iPhone, iTV Box oder Boxee Box mit HDMI an den Fernsehschirm im Wohnzimmer angeschlossen - seit über 2 Jahren gelebte Praxis in vielen Haushalten, auch wenn das viele einfach nicht glauben mögen.

 



Boxee APP Screenshot
Wer aber noch mehr ausprobieren möchte, und nicht gleich eine Boxee Box von D-Link bei AMAZON um läppische EUR 179,- erwerben möchte, der kann sich schon mal völlig gratis die Boxee Software downloaden und mit dem Rechner oder iPad und einem HDMI Kabel am Flatscreen im Wohnzimmer testen.

Natürlich auch ganz ohne Flatscreen am jeweiligen Gerät (iPad, PC, ..).

Vielleicht weckt das alles nun ein so breites Interesse an dieser Entwicklung, wie es der bereits in den Haushalten verfügbaren Hardware und deren Nutzung eigentlich entsprechen würde.

Wenn der iPad Hype 2010 mit 32.000 verkauften Stück so viel Interesse auslösen konnte, dass SOFORT jedes Medienunternehmen und jeder Werbetreibende ein APP gebraucht hat, vielleicht sind dann die 320.000 Haushalte, die alleine letztes Jahr in Österreich einen Hybridfernseher gekauft haben, auch interessant.

Und wie immer hoffen wir, dass wir Sie neugierig gemacht haben und - ebenso wie immer, auch heute wieder - Lassen Sie uns reden!
Sie haben den Kaffee, wir bringen den Kuchen!

(Autor: Roland Ernst Nikitsch)

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