Das letzte Abenteuer der Menschheit

01.02.2011 16:50:00 (Kommentare: 0)

Alle Kontinente sind entdeckt, der Globus vermessen, am Mond waren wir auch schon, und jetzt...

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Das Arbeitsleben.

Unendliche Weiten.
Wir schreiben das Jahr 2011.
Dies sind die Abenteuer des Raumschiff-Management, das mit seiner 400 (oder mehr) Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Entscheidungen so gut wie möglich zu vermeiden, neue Geschäfte zu umschiffen und möglichst viele Meetings abzuhalten.
Viele Lichtjahre von der Realität entfernt dringt das Management in Lethargien vor, in denen sich kein Mensch je zuvor befunden hat. 
ENTSCHEIDEN MACHT GLÜCKLICH!
 
Wer heute wirklich einen „Kick“ sucht, der trifft Entscheidungen. Für die meisten in leitenden Funktionen sicherlich ein völlig neues Gefühl, eine neue Erfahrung, ja vielleicht sogar ein neuer Trendsport! Versuchen auch Sie es! Entscheiden Sie etwas! Das kann völlig neue Perspektiven eröffnen!
 
So oder ähnlich könnten Slogans oder Texte zu Titelmelodien lauten, aus denen man heute einen Science Fiction Film produzieren könnte. ENTSCHEIDEN - ein Fremdwort? Scheinbar für viele.
 
ENTSCHEIDEN MACHT SCHLANK!
 
Die Unkultur der Meetings für alles und jedes ist zur Selbstverständlichkeit, zur Normalität geworden. Es sei alles so komplex, heisst es oft. Man könne nicht einfach so entscheiden, das bedürfe intensiver Evaluierungsprozesse, dem Abwarten von Ergebnissen von beauftragten Studien oder Expertengruppen, jedenfalls aber intensiven Meetings mit allen Beteiligten und vor allem einer fundierten Zahlengrundlage, aus der die Risiken als Wahrscheinlichkeiten in unterschiedlichen Szenarien hervor gehen.
 
Na sicher.
 
ENTSCHEIDEN MACHT SEXY!
 
Die Art und Weise, wie heute vermeintlich Entscheidungen getroffen werden lassen den Anschein erwecken, dass man heute nicht Informationen einholt, um eine gute Basis für eine Entscheidung zu haben, sondern um den Zeitraum durch „Evaluieren“ und „Diskutieren“ so lange nach hinten zu verschieben, bis sich die Entscheidung entweder von ganz alleine trifft, ausreichend viele Menschen an den hierfür erfundenen Prozessen teilgenommen haben, um am Ende (im Falle einer Fehlentscheidung) nicht mehr den Verantwortlichen identifizieren zu können, oder (im Falle einer Erfolgreichen Entscheidung) sie sofort „adoptieren“ kann, oder so lange „evaluiert“ und „gemeetet“ wurde, dass sowieso nicht mehr entschieden werden muss, weil sich das Thema überholt hat.
 
ENTSCHEIDEN MACHT JUNG!
 
Ein sehr schöner Artikel aus dem Wirtschaftsblatt verdeutlicht die Ressourcenverschwendung: „Verwalten statt führen: Wir arbeiten 91 Tage umsonst!
 
Die Angst vor Entscheidungen mag viele Ursachen haben. Vielleicht Angst um den eigenen Job? Angst vor Misserfolg? Angst vor Blamage? Angst davor, entlarvt zu werden, eigentlich völlig unqualifiziert für die bekleidete Funktion zu sein? Oder vielleicht einfach nur Bequemlichkeit? Warum entscheiden, wenn es so auch geht?
 
Wobei anzumerken ist, dass die wenigen Entscheidungen, die heute noch gefällt werden, so gut wie ausschließlich „negative“, also solche sind, die das „Nicht-Tun“ entscheiden. Denn wer nichts tut, kann auch nichts falsch machen und wer nichts falsch macht, kommt in der Karriere weiter. So gesehen eine hervorragende Strategie und vor allem so sicher!
 
Würden wir diese Entscheidungsschwäche in den banalen Dingen des Alltags aufweisen, hätten wir leere Strassen. Leere Büros und in ihren Wohnungen und Häusern verstorbene Personen.
 
ENTSCHEIDEN MACHT FIT!
 
Die Illusion, sich Entscheidungen „absichern“ zu können, ist wohl das unintelligenteste unter Gottes Sonne. Absichern gegen wen und was denn? Eine falsche Entscheidung ist eben eine falsche Entscheidung. Und wie die alten Griechen schon wussten: „Der Abend ist immer klüger als der Tag.“ Ob eine Entscheidung nun richtig oder falsch war, stellt sich naturgemäß immer erst im Nachhinein heraus und wenn es auch nur irgend einen Menschen auf dieser Erde gäbe, der dies schon im Vorfeld wüsste, so wäre dies wohl der reichste Mensch der Welt.
 
Alle Informationen die wir uns also als Entscheidungshilfen besorgen können, sind Erkenntnisse aus konkreten und spezifischen Modellen aus der Vergangenheit und ebensolchen speziellen und spezifischen Umständen. Deshalb sind solche Informationen zwar dienlich und sicherlich hilfreich, können aber bestenfalls als Entscheidungshilfe dienen und als „Barometer“ für mögliche Entwicklungsszenarien, sicherlich aber nicht als Entscheidungsgrundlage und keinesfalls als Schemengrundlage für aktuelle Entscheidungen, die auf zukünftige Ereignisse und Entwicklungen abzielen.
 
Wo wäre die Menschheit heute, hätte man sich in den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden ebenso verhalten, wie es heute scheinbar modern geworden ist? Wahrscheinlich immer noch in Höhlen.
 
ENTSCHEIDEN IST GESUND!
 
Statistik und Wahrscheinlichkeit - oder - wenn vermeintlich „objektive“ Schicksalsprognosen anhand von Wahrscheinlichkeitsberechnungen ähnlicher Vorgänge in der Vergangenheit zum „subjektiven“ Schicksal werden:
Es mag schon sehr beruhigend sein, wenn man weiss, dass die Wahrscheinlichkeit, mit einem Flugzeug abzustürzen, statistisch gesehen lediglich bei 1 : 60.000.000 liegt, wenn sie aber einer von der Gruppe „1“ und nicht einer der Gruppe „60 Millionen“ sind, eher weniger nützlich. Praktisch gesehen ist die Chance, dass ich gerade derjenige bin, der in diese Maschine steigt, immer 50:50. Nach der Landung wissen wir es immer.
 
Es ist uns auch bekannt, dass gerade im Geschäftsleben noch nie eine Situation mit allen Parametern zweimal aufgetreten ist. Weder im Erfolgsfall, noch im Misserfolgsfall. Welche Erfahrungswerte sollten nun hier ausschlaggebend sein?
 
ENTSCHEIDEN MACHT ERFOLGREICH!
 
Ein wahrscheinlich allen bekanntes Beispiel aus der Wirtschaftswelt ist RedBull. Die Welt der „Sugar Flavoured Softdrinks“ war aufgeteilt, besetzt und der Markt ganz klar. Da kam ein seltsamer Bursche und meinte, dass das, was er da nun in Fläschchen und Dosen abfülle und verkaufe, sei ein „Energy Drink“. Was um Himmels Willen war denn das damals aus der Sicht aller anderen für ein Blödsinn? Wer braucht so was? Was sollte denn der Unterscheid zu den „Sugar Flavoured Softdrinks“ sein? Diesem Trankl hat keiner eine Chance gegeben. Wir erinnern uns noch an die Schadenfreude, als dieses Produkt für den freien Verkauf nicht zugelassen wurde und lediglich in Apotheken vertrieben werden durfte. Und wir erinnern uns an alle, die es damals „immer schon gewusst haben“, dass so was nicht funktionieren kann. Auch alle Markt- und Meinungsforschungen hätten das belegt (Kein Wunder. Fragen sie doch heute 1.000 Leute, ob sie meinen, dass sie etwas brauchen, was sie noch nicht kennen. Wer hätte vor 5 Jahren ein iPad gebraucht? Vor 15 Jahren ein iPhone? Vor 40 Jahren ein Handy? Vor 300 Jahren ein TV Gerät?). Dennoch - wir wissen, was aus RedBull geworden ist. Und heute: heute haben es aber auch immer schon alle gewusst, dass das funktioniert, Mateschitz hat ca. 1 Milliarde persönliche Freunde, 40.000 Menschen waren dabei und haben das miterlebt und 20.000 kannten die Strategie immer schon und können Ihnen heute ganz genau erklären, wie man so was macht.
 
ENTSCHEIDEN MACHT SPASS!
 
Ein weiteres Problem (auch schon in einem unserer früheren Beiträge erwähnt) ist die Europäische Unkultur, wie man mit dem „Scheitern“ umgeht. Scheitern ist das natürlichste und wichtigste im menschlichen Leben. Kein Kind kommt alles könnend auf die Welt. Jeder von uns musste lernen, üben, probieren und auch scheitern, um am Ende erfolgreich zu sein. Jeder Sportler scheitert Millionen Mal, bevor er gewinnen kann. Und auch jeder Mitarbeiter, jeder Chef und jeder Unternehmer hat das Recht zu scheitern und muss das auch tun.
 
Scheitern kann man übrigens auch nur, wenn man etwas tut. Wer noch nie gescheitert ist, hat also auch noch nie etwas getan, oder - statistisch jedenfalls - hatte lediglich Glück.
 
Wer scheitert, wird in unserer europäischen Gesellschaft nicht nur verachtet, sondern auch geächtet, verspottet und ausgegrenzt. Wir meinen, in einer Gesellschaft von lediglich jungen, erfolgreichen und feschen Menschen zu leben.
 
Wenn die gescheiterte Person jedoch wieder erfolgreich ist, haben das auch immer schon alle gewusst und waren immer schon alle mit dieser Person befreundet.
 
Eine Information im Interesse der Allgemeinheit: Scheitern und Misserfolg sind NICHT ANSTECKEND!
 
Warum quälen wir Sie mit diesem Text?
Weil wir vermuten, dass die irrationalen Ängste, Entscheidungen zu treffen, bereits so groß geworden sind, dass sie volkswirtschaftliche Schäden anrichten.
 
Für jeden Schmafu gibt es einen Tag. Tag des Apfels, Tag der Bohne, Tag der Ameise, Weltspartag....
Wir wünschen uns einen Tag der Entscheidung. Und wenn nur an einem Tag des Jahres in jedem Unternehmen auch nur eine Entscheidung zur Umsetzung irgendeines Projektes getroffen würde - Chinas Wirtschaftswachstum wäre ein Lärcherl gegen das unsere.
 
In diesem Sinne: Trauen Sie sich!
Jeden Tag eine Entscheidung, frei nach dem Motto: „An apple a day keeps the doctor way“ - „An Entscheidung a day keeps the Stillstand away!“



(Autor: Roland Ernst Nikitsch

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