Die 10 "Kardinalfehler" unserer "News"-Portale im Umgang mit Video-Content

13.07.2012 12:34:00 (Kommentare: 0)

Wie man mit Video-Content erfolgreich ist

Video, Video, Video!

Egal ob am PC, am Smart TV, oder am Handheld (iPad, iPhone, Smartphone oder Tablet). Wie die aktuelle Studien zeigen, nimmt der "Siegeszug" der bewegten Bilder via Internet - unabhängig vom "Ausspielgerät" zu.

54% der Tablet-User nutzen Videos auf ihren Geräten. Video ist die beliebteste Contentform der Tablet User, gefolgt von Wetterinformationen und lokalen News (in den USA).

Grund genug sich zu überlegen, warum es im eigenen Haus nicht so "optimal" mit den Video-Contents läuft.

Promi Talk
Fehler #1: Die falschen Contents
Auch der falsche, oder schlechter Content kosten Geld. Wenn ich Video nur des Videos wegen produziere und publiziere, geht der Inhalt meist an meinem Publikum vorbei. "Talksendungen" eignen sich durchaus für ein Nachmittagsprogramm im TV, eher weniger für ein junges Publikum im Netz.
 
TV Formate zu kopieren macht mit den Budgets auch keinen Sinn, das ist langweilig und peinlich. "Wer bastelt mit TV" ist das uninteressante Ergebnis, da retten auch keine "Talkmaster" aus dem echten Fernsehen.
 
90% aller auf deutschsprachigen Portalen bereit gestellten Videoinhalte kommen von denselben Quellen. Warum glaubt man, dass man Genres "mit Gewalt hatschert bedienen" muss, die richtig bedient meist nicht finanzierbar sind? Zum Beispiel Sport: lassen Sie das einfach aus, oder versenken Sie unendliches Geld in Lizenzrechte und machen Sie es ordentlich. Die lustigsten Katzenvideos, Kunde demoliert T-Mobile Shop, etc. etc. haben auf Ihrem Portal eigentlich auch nichts verloren.
 
Produzieren Sie Inhalte die auch für andere (Medien) Relevanz haben. Exklusivität existiert nicht mehr. Im Internet ist sie auch nicht wichtig, denn die Exklusivität, die auch ausreichend begehrlich ist, kann sich kein europäisches Medienunternehmen leisten (Stichwort: Netflix, Hulu & Co).
 
Und für den User, der etwas irgendwo, ob auf Facebook, oder YouTube oder Ihrem Portal zum ersten Mal sieht ist es ohnehin in diesem Moment "exklusiv".
 
Es gibt einen Grund, warum man in Europa via Internet keine Blockbuster konsumieren kann wie in den USA. Deshalb: Sollten wir die Finger davon lassen und eigene Wege gehen.
 
Content Distribution ist das Zauberwort. Verwerten Sie Ihre Inhalte indem Sie diese auch anderen (Medien) z.B.: auf Revenueshare Basis zur Verfügung stellen. Erhöhen Sie dadurch die Reichweite Ihrer Produktionen und verdienen Sie an der Reichweite der anderen gleich mit!
 
Digitale Mediennutzung ist aktuell bereits stark fragmentiert. Das wird nicht besser werden. Also: kumulieren Sie die Reichweitenmöglichkeiten Ihrer Contents. (Beispiel: RedBull - deren Contents werden auch von Medienunternhemen gerne genommen).
 
Fehler #2: Contents als "Weekly" Serien
Internet funktioniert nicht wie TV. Es ist ein "On Demand" Medium. Wöchentliche Formate sind vielleicht für jemanden, der ein wöchentliches Print Produkt herausbringt nahe liegend. User schauen aber dann, wann sie wollen, das was sie wollen (aber nie was sie sollen!) und meistens 10 Folgen auf einmal. Die Hoffnung, dass man durch solche symmetrischen Formate "Userbindung" wie Seherbindung erezugen könnte, ist ein Irrtum.

Fehler #3: Kameraführungen und Gestaltungsversuche wie im TV
Internet ist ein schnelles und "ad hoc" Medium. Passen Sie Ihre Formate und Gestaltungen daran an. Straight to the Point, Close-ups, keine Jump Cuts, kein Zoomen und kein Schwenken! Bringen Sie "Sager" und versuchen Sie nicht "Vom Winde verweht" neu zu inszenieren.
 
Fehler #4: Verstecken Sie Ihr Videoangebot möglichst gut! - Keine gute Idee!
Wer heute Videos auf seinem Portal hat, "verräumt" diese scheinbar so gut er kann. Der Navigationsreiter "Video" wird bisweilen so gut versteckt, wenn er überhaupt existiert, dass man ihn nur ja nicht findet. Video-Pormotions prominent auf der Frontpage scheint aktuell als "unanständig" zu gelten.
 
Fehler #5 Bedienoberflächen
Derzeit "stopft" man Videocontents in das bestehende Layout. Nicht besonders intelligent, ist das Layout doch zweifelsohne für die angenehme Usability zur Text/Bild Nutzung entwickelt worden. Klar ausgedrückt heisst das: wir machen TV im Zeitungslayout und versuchen "Bewegtbild" zu drucken.
 
Gut für die Gewohnheiten der Redakteure und CMS-Verantwortlichen, weniger gut und bequem für den User. Wie es besser geht, zeigen diejenigen, die Videocontents erfolgreich im Netz anbieten. Fernehsender sind auch keine Deppen und deshalb schauen ihre Mediatheken so aus, wie sie eben aussehen und funktionieren auch.
 
US-amerkianische "Magazine" haben das schon vor Jahren verstanden. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum Videoinhalte in den USA weitaus größere Erfolge verzeichnen als hierzulande? Vielleicht weil man sie a) einfach finden kann, weil sie nicht versteckt werden, und b) weil man sie auch brauchbar bedienen kann?
 
Fehler #6: Keine viralen Elemente
Man will bei uns scheinbar nicht, dass der User, dem ein Video gefällt dieses auch weiterempfiehlt.
Social Media und "Sharing" ist in aller Munde. Ein riesen Trend. Nur nicht im Medienbusiness und schon gar nicht bei Videoinhalten auf Portalen. Produzieren Sie weiter teuren Video Content und machen Sie es dem Nutzer möglichst schwer, seinem persönlichen Netzwerk davon zu berichten und es weiter zu empfehlen.
 
Das ist der beste Weg zur Anti-Social-Media Strategie und die beste Anti-Reichweiten-Strategie und man schützt sich dadurch erfolgreich vor dem Erfolg!
 
Fehler #7: Videos werden "proprietär" behandelt
Wie im Punkt 4 schon erwähnt können User diese Inhalte heute so gut wie gar nicht für Sie gratis distribuieren. Aktuell erfahre ich immer wieder, dass man sehr "portalfixiert" ist. Also: man versucht User von dort weg zu locken, wo sie sind um auf etwas zu kommen, wo sie scheinbar gerade nicht hinwollen (z.B.: aus Facebook zum eigenen Portal).
 
Das ist nicht sehr erfolgversprechend! Versuchen Sie den User nicht zu "bekehren" (konvertieren).
 
Akzeptieren Sie seine Wahl des "Aufenthaltes" und bringen Sie Ihren Content zum User!
 
Es ist wurscht, wo der User Ihr Video ansieht! Hauptsache er tut es! Wo der "View" statt findet ist egal! Dafür zahlt Ihnen keiner was. Bringen Sie halt den Werbekunden auch gleich mit zur "Party". (z.B.: auf Facebook). Ihr (Werbe)Kunde wird sich nicht beschweren!
 
Fehler #8: Keine Related Videos
Führen Sie Ihre User durch ein Programm, respektive, bieten Sie es an. Zeigen Sie dem User einfach und bequem, was es sonst noch alles geben könnte. Im TV nennt man das "Programmpromotion". WIe man das im Internet macht, können Sie sich bei YouTube oder auch bei theAtlantic.com abschauen (aber auch noch bei vielen anderen international erfolgreichen Plattformen).
 
Fehler #9: Embedding verunmöglicht
Was bitte spricht dagegen, dass andere Ihre Videos einbetten? Sie erhöhen dadurch Ihre Audience, werden möglicher weise in Blogs eingebettet, die eine Leserschaft haben, die den Bloggern weit mehr vertrauen als wahrscheinlich Ihrem Medium und kommen so zu "Empfehlungen" durch Vertrauensträger und zu neuen Usern!
 
Ihr Content ist ja technisch nach wie vor auf Ihren Servern, Sie kontrollieren diesen immer noch, die etwaig verkaufte Werbung wird gleich zig-fach häufiger ausgeliefert. User Tracking funktioniert auch noch immer, also wovor haben Sie Angst? Vor Reichweite, Erfolg und Werbeeinnahmen?
 
Fehlende Kommentare oder Feedbackmöglichkeiten fördern ebenso nicht die Interaktion. Das einzige, was derzeit meist zugelassen wird ist ein "Rating". Das ist zu wenig! Lassen Sie die User zu den Beiträgen diskutieren. Ob sie es tun oder nicht, wird davon abhängen, wie sehr Sie diese involvieren können und wie attraktiv und/oder kontroversiell der Content ist.
 
Fehler #10: produzieren Sie nicht selbst!
Es ist bekannt, dass TV und Video die "Königsdisziplin" ist. Aber auch das will gelernt sein. Lassen Sie das von Profis machen, "Video lernen" kann man nach Dienstschluss. Der Vorteil von Content und Lizenzeinkauf liegt auf der Hand, Ihr Steuerberater wird es Ihnen erklären, Ihr CFO wird Sie lieben. (Verweis auf meinen letzten Beitrag)
 

 

 

Aktuelle Studien / Related Links:

RISJ Digital Report by Reuters Institute for the Study of Journalism at the University of Oxford


RISJ Digital Report

• Key international findings
• Rise of smartphones and tablets
• Digital natives show new online behaviours
• Methodology
 
 

"Accessing content and information was found to be the dominant activity on the device (94%), followed by accessing the internet (67%) and checking email (66%). The study also revealed that tablet users’ primary content-related activities include: watching video (54%), getting weather information (49%), and accessing national news (37%) and entertainment content (36%)."
 
 
 
"Fifty-four percent of tablet users watch video on their tablet on a weekly basis
It may be no surprise that tablet users are embracing online video in a big way. According to a March 2012 study by the Online Publishers Association (OPA) and research consulting firm Frank N. Magid Associates, accessing content and information was the top reason US tablet users reached for their devices, at a considerable 94%. Video was the most popular content that tablet users sought, followed by getting weather information and local news."

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