Fachverlag „NEU“

11.01.2011 22:39:00 (Kommentare: 0)

Die Fachverlagsbranche - es gibt viel zu tun

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Tanja Pfisterer zur Vermarktung von Fachmedien

Einen „Spezialfall“ im Mediengeschäft stellt das Fachverlagswesen dar. Seit 1999 sind wir mit diesen speziellen Herausforderungen dieses Segments als Berater konfrontiert.

Das Jahr 2009 war ob der Finanzkrise das wahrscheinlich härteste Jahr für viele Teilnehmer dieser Branche in Österreich. Wir wollen in diesem Beitrag die Besonderheiten des Österreichischen Fachverlagswesens behandeln.

Fachverlag historisch:

Ein mittlerweile „privatisierener“ ehemaliger Geschäftsführer und Mitgesellschafter eines der wahrscheinlich erfolgreichsten und größten Häuser drückte die Existenzberechtigung von Fachverlagen und ihren Produkten einmal sehr treffend wie folgt aus:

„Eigentlich braucht uns keiner. Wir haben uns in die Mitte der Branche hineingesetzt und begonnen, über Innovationen, Entwicklungen und Menschen zu berichten. Tatsache ist, dass weder in Österreich, noch in Deutschland jemand für das Abonnement oder den Einzelpreis bezahlt und den Fachverlagen somit dieser Einnahmestrom so gut wie immer verschlossen blieb. Dies verhält sich am Schweizer Markt völlig anders. Dennoch: Die Stärke lag immer in einer zwar geringen Auflage (verglichen mit Publikumsmedien) aber den qualifizierten Kontakten, die es den Verlagshäusern ermöglichte sehr lukrative Anzeigengeschäfte zu betreiben.“

Die Budgets aus denen diese Titel „gespeist“ wurden waren so gut wie ausschließlich PR-Etats der Unternehmen (PR Artikel gepaart mit Anzeigensujets), oder der KMU Markt, dem andere Werbeformen aufgrund der hohen Kosten verschlossen waren. 

Die enorme Kürzung dieser PR-Etats bei vor allem großen Unternehmen führte zu einem Rückgang des Anzeigenumsatzes bei diesen Verlagen von 60% bis 90% und dies beinahe über Nacht.

Erstaunlich jedoch ist, dass kaum ein österreichischer Fachverlag das Internet für sich entdeckt hat (Ausnahmen bestätigen die Regel). Das „höchste der Gefühle“ scheint da eine Internetpräsenz in Form einer „elektronischen Visitenkarte“, oder das als .pdf File bereitgestellte Printprodukt zu sein.

Der Umstand, dass aus dem Verkauf der Exemplare keinerlei nennenswerte Umsatzgrößen lukriert werden konnten und können stellt diesen Medienbereich jedoch hinsichtlich seiner Internet-Chancen besser als Publikumsmedien, die nach wie vor von den Einnahmen aus Stückverkäufen und Abonnements zu einem mehr oder weniger relevanten Umsatzanteil abhängig sind.

Man bräuchte also im Fachverlag keine Angst vor der „Gratis-Informations-Kultur“ des Internets zu haben.

Dennoch ergibt sich ein Umsatzproblem aus einer Umstellung von Print auf Internet: ein im Printprodukt bereits enorm hoher TKP (im Vergleich zu Publikumsmedien), der sich bislang in der Qualität der Kontakte begründet hatte, wird wahrscheinlich bei einer Komplettumstellung von Print auf Online mit Standard-Werbeformen wie Banner & Co nicht zu halten sein.

Hinzu kommt, dass auch Fach- und Brancheninformationen im Internet multipel vorhanden sind und die Konkurrenz von anderen, alternativen Informationsanbietern dadurch augenscheinlich um ein zig-faches gestiegen ist.

Was ist also die Position eines Fachverlages, einer Fachpublikation heute?

 

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Der Kern des Fachmediums ist, zentrale Kommunikations-drehscheibe einer Branche zu sein. Behält man diesen Kern des Stamm-Mediums also bei und transformiert diesen in die „Internetwelt“, erhält man ein attraktives Produkt und Service mit zusätzlichen neuen Einnahmequellen. Darüber hinaus erwirbt man ein Informationsaggregat, das zukünftige Einnahmen darstellt.

Auf den Punkt gebracht: Der Fachverlag ist Dienstleister seiner Branche und kann Kommunikationsmittelpunkt bleiben.

Ein solches Modell haben wir zum ersten Mal 1999 den damaligen Anforderungen entsprechend, das aktuellste Mal 2009 für einen Fachverlag erfolgreich zur Umsetzung gebracht.

Die Ausgangssituation war ein Umsatzeinbruch von über 80%, ein insolvenzgefährdeter Unternehmenszustand und kaum Bewegungsspielraum in liquiden Mitteln.

Das Resultat nach 11 Monaten:

Erarbeitung eines neuen Geschäftsmodells nach den Prinzipien „Fachverlag NEU“ und die erfolgreiche Umsetzung.
Stabilisierung des Unternehmens auf ca. 87% des Umsatzniveaus vor der Krise und Erreichung von 100% im Folgejahr.
Transformation des Geschäftes von Print zu Online unter Beibehaltung des Stammproduktes (Print), für zwei Titel.
Beibehaltung und Ausbau der Marktführerschaft in beiden Branchensegmenten.
Zusammengefasst könnte man sagen: Das Fachverlagswesen hat zwar enormen Aufholbedarf aber auch enorme Wachstumschancen in dieser neuen Medienwelt. 


(Autor: Roland Ernst Nikitsch

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