Flipboard ist gelandet!

20.09.2011 11:01:00 (Kommentare: 0)

Die Angst vor Google war so groß, dass man Flipboard offenbar nicht mehr bemerkt hatte.

Flipboard Präsentationsvideo
                                                             Flipboard Präsentationsvideo (click to play!)

Wie konnte das nur passieren? Haben Europas Velagshäuser vor lauter Konzentration auf die McKinsey-Winsey Restrukturierungsberatungen und "Optmierungs-Schrumpfungs-Einsparungs-Tipps" vergessen den internationalen Markt zu beobachten? Oder hat der Freund von McKinsey-Winsey vergessen das zu erwähnen, oder wusste er es einfach nicht, weil er Betriebswirt und kein Medienprofi war?

Es ist gar nicht mal so lange her, dass man sich auf den verschiedensten Fachveranstaltungen in Österreich und Deutschland darüber aufregte, dass das Geschäftsmodell vom bösen "Uncle Google" auf dem "Schmarotzen" der ach so tollen Inhalte der Medienhäuser beruhe.


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Es ist gar nicht so lange her, dass man sich in den Medienunternehmen und Verlagshäusern darüber - zumindest verbal in der Öffentlichkeit - den Kopf zerbrach welche Auswirkungen Googles Geschäftsmodell auf die zukünftigen Werbeeinnahmen wohl haben könnte und wie man da wohl überleben sollte.

Die Antwort war rasch gefunden - Apple brachte uns das iPad und die APPs! Paid Content war die Lösung und weil das iPad der Zeitung und dem Magazin so ähnlich sieht, hatte man geglaubt, dass dieses Stückl neue Hardware mit dem neuen Wunderding "APP" und dem Kiosk "APP-Store" der Heilsbringer im digitalen Zeitalter für Verlagshäuser sei. War das doch alles so ähnlich allem bekannten und lieb gewonnenen!

Zu schön um wahr zu sein. Vielleicht liegt es auch daran, dass man immer wieder den gleichen Fehler macht und versucht ein altes Geschäftsmodell, dass seine Funktionsweisen an die entsprechenden Rahmenbedingungen angepasst hatte nun auf ein völlig neues Terrain transformieren zu wollen, ohne dabei die wiederum diesem neuen Terrain eigenen Gesetzmäßigkeiten und Rahmenbedingungen zu beachten.

Es ist, als ob der Kutschenbauer mit dem getunten Fiaker beim Grand Prix von Silverstone antreten wollte. Keine gute Idee wie jedem vernünftigen Menschen einleuchten würde. Aktionistisch sicherlich attraktiv, aber wenig erfolgversprechend. Aber so bequem, so schön und so einfach schien doch das alte Geschäft. Und Gewohnheiten - wie man weiss - können eine ebenso bereichernde wie gefährliche Angelegenheit sein.

Social Media - in aller Munde. Ein Trend und eine Entwicklung mit der Medienunternehmen bis heute eigentlich nichts anzufangen wissen. Schade eigentlich, hilft diese neue Sache doch enorm sogar im "alten neuen" Geschäft (Internetportal).

Es ist erstaunlich, dass kein Medienunternehmen eine Social Media Abteilung gegründet hat zumal das Bedienen dieser Kanäle eine zu tiefst redaktionelle Aufgabe ist. Anstatt sich einer solchen Abteilung zu bedienen und sich der Social Media Kanäle (richtig und rechtzeitig) zu bedienen, macht man ein "Fanseiterl" auf Facebook, richtet einen Twitteracount ein und hofft dass man geliked und gefollowed wird.

Nun denn. Flipboard ist gelandet und als ob das nicht schon schlimm genug wäre - Google bastelt schon an seinem eigenen "Flip-Google-Board". 


Was ist neu an Flipboard:

Geht man davon aus, dass sich Paid Content nicht so breit durchsetzen wird, wie man sich das erhofft, dann  wird es immer irgendwo im "Wörld Weid Web" wen geben, der Inhalte gratis anbietet. Blogger - zum Beispiel - übernehmen immer mehr die Funktion der arrivierten Medien.

Flipboard aggregiert nun all diese Contents nach Genres und vor allem nach Relevanz.  Die "Relevanz" wird durch die "Prominenz" von Inhalten im individuell eigenen Social Media Netzwerk bestimmt. Das ganze wird aggregiert und als APP wie ein eigenständiges Magazin optisch sehr ansprechend und vor allem easy to use und noch dazu GRATIS bereit gestellt.

Verlage können daran "teilhaben" und Ihre Contents (Propeller optimiert) zur Distribution bereit stellen.


Was ist genial an Flipboard:

Es ist die perfekte "Programmzeitschrift" (um es mit einem "Old Media" Begriff zu verdeutlichen) für alles was im Internet gerade herumschwirrt. Der Überblick, der uns Zeit spart und bequem das anbietet, was Medien irgendwann vergessen haben zu tun, nämlich uns einen Überblick über alles Relevante zu geben.

Frei nach Jeff Jarvis also: "Do what you do best and link to the rest!" (-> Video-Link!) werden die Strories und Themen "angerissen" und zu den jeweiligen Beiträgen verlinkt.

Dadurch wird Flipboard zum größten Content Portal der Welt. Und diese "Titelseite(n)" sind wohl hochattraktiv für jeden Werbetreibenden! Dass man hier auch noch - wie man es vom Internet gewohnt ist - "targeten" und extrem genau selektieren wird können (Stichwort: Streuverlust) ist selbstredend. Dass man das Ganze auch einfach und international-zentralisiert einbuchen wird können entspricht dem globalen Trend.


Was ist so gefährlich an Flipboard für das Mediengeschäft:

Flipboard macht genau das, was Medien früher gemacht haben - nur mit einem Unterschied: sie haben nicht versucht ein altes Geschäftsmodell in eine neue Medientechnologiewelt zu transformieren, sondern man hat den Kern des Geschäfts identifiziert (die "Asstes" - wie man neuhochdeutsch sagt) und dies entsprechend der neuen Medienwelt interpretiert und umgesetzt.

Was aber wahrscheinlich noch viel "gefährlicher" ist: Google macht das jetzt auch!


Ich glaube es ist hoch an der Zeit für jeden Verlag vom McKinsey-Winsey Kurs wieder abzubiegen und nach vorne zu blicken, Innovationen zu generieren und wieder AKTIV am Markt Teil zu nehmen.

Und da gäbe es noch sehr sehr viel Spielraum und Möglichkeiten! Und bei unseren Medientagen ist doch "Mut" das heurige Thema, oder?

Heute an die Verlagshäuser: Seien Sie mutig und lassen Sie uns darüber reden!
Wie immer unser Angebot: Sie haben den Kaffee, wir bringen den Kuchen!

(Autor: Roland Ernst Nikitsch

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