Internet: Kommunizieren statt werben

22.01.2011 11:33:00 (Kommentare: 0)

Vom Umgang mit und Einsatz von neuen Medien

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Der Umgang mit „klassischen“ Kommunikationsmitteln und deren Einsatz ist gelernt und professionalisiert. Die Messgrößen, Ziele und Einsatzmöglichkeiten sind bekannt.
 
Grund dafür ist - und das ist unsere Theorie - der Umstand, dass „klassische“ Medien als „Massentransportmittel“ für Inhalte (eigene, wie Programm, aber auch Werbebotschaften) ausgelegt sind. Festgesetzte Zeiten, limitiertes Platzangebot, festgeschriebene Formate. Standardisiert eben.
 
Völlig anders verhält es sich mit allem, was man unter „Internet“ subsummieren kann. Das Internet (und all seine Ausprägungen) haben aufgrund der Eigenschaften der eingesetzten und angewandten Technologien zu einem eigenständigen Verhaltensmuster bei Nutzern und Anbietern geführt.
 
Einfach ausgedrückt: wir sprechen von einer Kombination aus Telekommunikation (Telefonie), Datenkommunikation (E-Mail, Chat, Hypertext & Co) und dem Umstand, dass Rückkanaltauglichkeit als eines der wesentlichen Elemente dieser Kommunikationsform für viele die Komplexität darstellt.
 
Ein Unternehmen sieht sich heute so gut wie jedes Jahr mit neuen Entwicklungen konfrontiert. Einst Web, dann E-Commerce, dann Mobile, dann Communities, dann SEO, dann Social Networks, Apps und was sonst noch alles auf uns zukommen möge.
 
Die am häufigsten auftretenden Kardinalfehler im Umgang mit all diesen Optionen der Kommunikation sind:
 
1) Überall dabei sein zu wollen, also jede neue Entwicklung meinen, abdecken zu müssen.
Web: „wir brauchen eine Internetseite!“, E-Commerce: „Wir brauchen einen Shop!“, Mobile: „Wir brauchen ein Service für Handybenutzung!“, Communities: „Wir brauchen eine Community!“, SEO: „Wir brauchen Suchmaschinen Optimierung!“, Social Networks: „Wir müssen auf Facebook!“, Apps: „Wir brauchen ein App!“
 
2) Bestehende Kommunikationsmittel und Botschaften, meist aus den klassischen Werbemitteln, mutiert 1:1 in alle neuen Bereiche einsetzen zu wollen.
Beispiel: Kein Mensch würde auf die Idee kommen, ein Print-Sujet in einem 30-sekündigen TV-Werbespot als Standbild mit Musik zu hinterlegen, nur weil es „eh schon da ist“ und der CI und Werbelinie entspricht. Also: Werbemittel für das Internet produzieren, besser noch: akzeptieren, dass Internet ein Kommunikations- und kein Werbemedium ist.
3) Mit einer Internetpräsenz beginnen und diese nicht der Benutzung des Mediums entsprechend zu gestalten und zu warten.
„Die Geister die ich rief“...
Heisst: Genau überlegen, welche „Türen man damit öffnet“ und ob man die hereinkommenden Gäste“ dann  auch bedienen kann und will (Stichwort: Personalaufwand).
 
4) „Nur so zu tun als ob“ und die Präsenz nicht „leben“:
Besser eine statische elektronische Visitenkarte, als unauthentische und hilflose Versuche, „digital native“ sein zu wollen.
 
5) In Schönheit sterben:
Design ist sicherlich wichtig und nett. Vorrangig sollte aber die Funktionalität, Usability und vor allem eine ganz klar fokussierte inhaltliche Ausrichtung sein.
 
6) zu lange Reaktionszeiten:
Wer E-Mails als Kommunikationsweg benutzt, wer Internet Kommunikation (Nutzer zu Informationsbereitsteller) anbietet, hat maximal 24 Stunden für seine Reaktion Zeit. Alles andere ist unprofessionell, ignorant, unhöflich und letztlich auch völlig kontra produktiv. Wer sich auf Social Media einlässt, hat weitaus weniger Zeit: in den jeweiligen Primetimes muss reagiert werden (mindestens einmal am Tag, idealer Weise zweimal). Selbstverständlich kann man das alles ignorieren, seine eigenen Regeln aufstellen. Dann sollte man sich aber nicht wundern, wenn das in die Hose geht. Andernfalls: Fax und Post.
 
7) Der Versuch, jemand zu sein, der man nicht ist (Authenzität/Kompetenz)
Im Netz ist erfolgreich, wer authentisch ist. Man wird nicht „jünger“, „hipper“, „cooler“ oder gar glaubwürdiger, nur weil man „auch was“ im New Media Bereich tut.
 
8) In Zielgruppen denken (alles über einen Kamm scheren)
Im Netz ist KEINER „Zielgruppe“. Es sind Individuen und so will sich auch jeder Nutzer verstanden wissen. Der „Rückkanal“ lässt ein „über den Kamm scheren“ nicht zu.
 
9) Klassische Kommunikationsgewohnheiten 1:1 ins Internet übertragen zu wollen:
Als sich Direct Marketing etablierte wäre auch niemand auf die Idee gekommen, den eigenen TV-Werbespot als VHS Kassette in in Kuverts zu stecken und persönlich adressiert an Personen zu schicken. Auch hier hat man sich dieser „neuen“ direkten Kommunikationsform entsprechend verhalten und nicht einfach bestehendes „übersetzt“.
 
10) Es wird „penetriert“ statt „kommuniziert“:
Was in der Klassik funktioniert (Lernen durch Wiederholung), funktioniert im Netz einfach nicht. Kommunikation im Netz funktioniert wie die ursprüngliche Kommunikation im „physischen“ Leben. Also: zurück zu den Wurzeln von Werbung und Marketing. Ein überzeugter und begeisterter User entspricht einem Multiplikationseffekt von 100 weiteren Kontakten (und mehr). Niemals vergessen: hier gibt es nicht nur einen „Rückkanal“ sondern eine enorme Vernetzung. Vernetzung heisst: Botschaften und Informationen multiplizieren und potenzieren sich per Mausklick oder Fingertipp = die Information findet ihre Rezipienten, weil es die Rezipienten sind, die als aktive Verbreiter auftreten. Wenn man mich nicht weiter verbreitet, verlinkt, zitiert, werde ich nicht genutzt. Da hilft der größte „Werbedruck“ nichts.
 
11) Statt „Marke“ Botschaft und Inhalt:
Im Netz wird eine Marke durch ihre Botschaft oder den Inhalt erfolgreich und durch Botschaft und Inhalt zur Marke (mem). Schneller und günstiger als irgendwo anders. Authentizität ist das wichtigste. Wie im „richtigen“ Leben. Veranstalten Sie nur das im Netz, was man Ihnen auch glaubt, weil Sie es beherrschen. Alles andere wird verlinkt, idealer weise dort, wo das perfekt abgehandelt wird. Und der Dank ist: eine Verlinkung zurück. SEO ist nett, aber was haben Sie  von einem Top Google Ranking, wenn die Destination des Links einfach Mist ist?
   
Und so halten auch wir uns an diese Gebote und verlinken zu einem Video Mitschnitt der PRVA Veranstaltung „PR Tag“ und die Key-Note von Ossi Urchs.

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