Niko Pelinka und der ORF - oder: wie ein 25-Jähriger Anstand und Verantwortung beweist

19.01.2012 11:17:00 (Kommentare: 0)

Daran können sich nun andere ein Beispiel nehmen.

© Styria/APA-OTS/Preiss
Anstand und Moral. Ein Videobeitrag der ARD
                                                                                zum Thema "Anstand und Moral" ein Beitrag der ARD (click to play)
 
Und es scheint sie doch noch zu geben, die Moral und den Anstand.
 
Die vergangenen Wochen waren turbulent und das nicht unbegründet. Denn die Art der Personalentscheidungen im ORF mussten wahrscheinlich jedem gegen das gesunde Rechts- bzw. Unrechtsempfinen gehen. Wie in meinem letzten Beitrag beschrieben, hat man keinem mit dieser Vorgehensweise etwas Gutes getan.
 
Zu plump, zu rücksichtslos und vor allem mit kaum einem Gespür für soziale Kompetenz. Man kann im Leben vieles tun, man kann auch Fehler machen und sich irrren, denn beides ist nur all zu menschlich.
 
Vielmehr aber kommt es darauf an WIE man es macht und es kommt darauf an, ob man die Fähigkeit besitzt das auch zu erekennen, falsche Entscheidungen zu revidieren und mit ebenso großem Anstand und Würde daraus entstandene Mängel zu beheben.
 
Es ist mir klar, dass man jetzt sagen wird: "Na bitte, was ist da jetzt so toll dran, dass der Niko Pelinka seine Bewerbung zurück zieht?", viele werden sagen, dass es ausschließlich der Druck gewesen sei, der ihn dazu zwang und dass von Freiwilligkeit keine Rede sein könne.
 
Das sehe ich nicht ganz so.
 
Und ich bin der Meinung, dass man - gerade in Zeiten der medialen Sensationslust und der medialen "Krisengeilheit" auch einmal inne halten kann und die positiven Aspekte betrachten und auch darüber schfreiben und reden kann.
 
Keine Frage, die Vorkommnisse der vergangenen Wochen und wahrscheinlich auch Monate zum Thema ORF hatten schon eine gewisse Pikanterie erreicht, die vorher noch nicht gekannt wurde.
 
Und genau deshalb muss man auch einmal eine Lanze für den jenigen brechen, der - zumindest was seine Person betrifft - dieses Schauspiel beendet hat: Niko Pelinka.
 
Niko Pelinka hat dadurch für mich nicht nur Größe, Charakter sondern auch Verantwortungsbewusstsein bewiesen.
 
Um dem Haus weiteren Schaden zu ersparen, verzichtet er auf seine Bewerbung, wahrscheinlich auf jede Zukunft im ORF (bis auf weiteres jedenfalls).
 
Nach allem was bisher geschah muss man diese Handlung als umso bemerkenswerter anerkennen, denn - wie bereits im vorhergehenden Beitrag erwähnt - einen Gefallen hat man ihm mit dieser Vorgehensweise definitiv nicht getan. Seiner Karriere hat man definitiv damit geschadet. Das Ziel "Niko Pelinka als Büroleiter" hätte auch ohne diese Aufregungen erricht werden können, vielleicht nicht sofort, aber eleganter und argumentierbarer. Dass wissen mit Sicherheit erfahrene ORF Manager.
 
Es ist paradox, dass man gerade jetzt, leider viel zu spät, sagen muss: "Niko Pelinka hat scheinbar als einziger mit seinen 25 Jahren den Anstand und das Verantwortungsbewusstsein den ORF Interessen persönliche Interessen hintan zu stellen."
 
Und man kann davon ausgehen, dass Pelinkas Bewerbung gegen alle Widerstände "durchgeboxt" worden wäre, hätte Pelinka diesen Schritt nicht getan. Ein "Zurück" ohne massivem Gesichtsverlust wäre für alle unmöglich geworden.
 
Den Beweis hierfür wird die Zukunft, werden die nächsten Wochen bringen.
 
Pelinka war vielleicht der Anstoss, aber nicht die einzige Ursache der gerechtfertigten Empörungen. Das durchaus nachvollziehbare Argument, dass sich ein Generaldirektor seine Büroleitung selbst aussuchen können muss (Zusatz: sofern er bei dessen Bestellung auch die formal korrekten Vorgehensweisen einhält) wird nur schwer bei Posten wie Bundesländerkoordinatoren, Vize-Direktoren und ähnlichen Positionen in die Waagschale geworfen werden können.
 
Es bleibt also abzuwarten, ob weitaus ältere und erfahrenere Personen die selbe Größe und das selbe Verantwortungsbewusstsein entwickeln werden und freiwillig, zu gunsten der Integrität und des Rufes des Hauses ORF auf ihre persönlichen Karrierewünsche verzichten werden.
 
Meine persönliche Meinung ist, dass sich Niko Pelinka durch diesen Schritt als Stiftungsrat des ORF ex post qualifiziert hat. Seiner Jugend schreibe ich den Irrtum direkt aus dem Stiftungsrat in den ORF wechseln zu wollen zu.
 
Durch seinen Verzicht (und sich in Verzicht üben zu können ist auch eine selten gewordene Tugend) ist zumindest für mich bewiesen, dass Pelinka das Wohl des ORF vor sein persönliches Karrierewohl stellt und das erwarte ich mir eigentlich von einem Aufsichtsorgan und Manager eines Unternehmens.
 
Ob dies immer so war, oder das Ergebnis eines Lernprozesses gewesen ist, kann und will ich gar nicht beurteilen. Das Ergebnis zählt immerhin auch.
 
Wer jedoch lernfähig ist und erkenntnisfähig ist, dem seien Fehler verziehen.
 
Fehler, die vielleicht der jugend zuzuschreiben sind, vielleicht einer gewissen Unerfahrenheit, Fehler, aus denen gelernt wurde, Fehler, die Niko Pelinka nicht alleine zu verantworten hatte, sondern viele andere, wahrscheinlich einflussreichere, jedenfalls aber erfahrenere Menschen zumindest unterstützt haben, die vielleicht nun auch zu dieser Einsicht gekommen sind (hoffentlich).
 
Die ORF Redaktionen hatten Recht mit ihrer Empörung und mit Ihrem Aufbegehern. Ihrem Aufbegheren ist es auch zu verdanken, dass - zumindest in diesem Punkt - noch einmal die "Kurve" gekratzt wurde und, dass ein junger und zweifellos talentierter Mann die Chance bekam seinen Charkter und sein Verantwortungsbewusstsein unter Beweis zu stellen. (er hätte sich sicherlich auch andere Umstände hierfür gewunschen).
 
Vielleicht findet der ORF seinen Weg und ich hoffe man findet wieder zu einer respektvollen Umgangskultur mit einander. Im Haus, wie aussserhalb.
 
Und ich würde mir - als ehemaliger "Angehöriger" dieser "ORF Familie" auch wünschen, dass solche (berechtigten) Aufbegehren der Redaktionen nicht mehr so rasch nötig sein werden um Fehlentwicklungen zu erkennen. Vielleicht beginnt man ja auch wieder ein bisschen mehr mit einander zu reden, wer weiss, vielleicht hilft die Sanierung des 6 Stöckigen Haupttracktes ein bisschen dabei und verringert die Distanzen zwischen ORF Führung und Mitrabeitern. Die Maria-Theresien-Kaserne könnte Wege ankürzen. Dort hat das höchste Gebäude nur 4 Stockwerke (wenn ich das richtig in Erinnerung habe). Und so lange man sich von der Geschichte des Gebäudes nicht zum Kasernenhofton verleiten lässt kann das ja auch eine erfrischende "Kommunikations-Kulutr-Kur" werden.
 
In diesem Sinne.
 

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