Not invented here!

15.06.2012 13:36:00 (Kommentare: 0)

Wenn es nicht mehr auf die Lösung, sondern auf den Urheber ankommt.

              Not invented here - eine Video-Analyse
                                           "Not invented here!" - dieses Video beschreibt die Problematik (click to play)
 
"Wer hat's erfunden? - Ricola Schweizer Kräuter Zuckerln - somit wäre es mit dem Slogan eines Schweizer Zuckerlfabrikanten beschrieben.
 
Wenn mir heute Geschäftsführer von digitalen Töchtern von Verlagen erklären, dass ihr Kerngeschäft Nachrichten sind und man sich gerade auf E-Commerce Projekte stürzt, aber Content Kosten im Monat von EUR 1.000,- vermeintlich nicht refinanzieren kann; wenn mir Heads of Business Development von Verlagsgruppen erklären, dass man Bewegtbildproduktionen nicht finanzieren kann und schon gar nicht refinanzieren kann, obwohl man ihnen Contents auf Revenue Share Basis anbietet, also völlig ohne ökonomisches Risiko und man dann das ablehnende Argument für eine Zusammenarbeit bekommt: "Da müssen wir ja dann dafür sorgen, dass auch Traffic auf diese Contents kommt und sie prominent auf unseren Seiten platzieren! Das geht doch nicht!"
 
Gleichzeitig aber in Interviews mit der Fachpresse der als einer der Schwerpunkte "Bewegtbildstrategie" kommuniziert wird...
 
Ja dann - was eigentlich? Kurz überlegt: entweder sind das alles Schutzbehauptungen für das "Not invented here!"-Syndrom, oder es besteht enorme Übrlastung, Orientierungslosigkeit oder einfach nur Resignation.
 
Spricht man mit Vorständen, oder Geschäftsführern der so genannten "Stamm-Medien", also den - mehr oder weniger - Eigentümervertretern dieser "Online Töchter" finden die solche Vorschläge hoch interessant. Leider delegieren sie diese Themen dann an ihre "Online-Leute". Wenn das passiert weiss man: ein Termin in dem erklärt wird warum was alles nicht geht und das war's.
 
Auf meine Frage an einen der Business Development Verantwortlichen, warum wir immer nur darüber reden, was nicht funktioniert, anstatt zu überlegen wie etwas funktionieren könnte - bekomme ich meist gar keine Antwort und ernte - wie könnte es anders sein - ein unfreundliches Ende dieses Gespräches.
 
Tja, wir leben eben heute in einer seltsamen Welt, in der wir uns alle ganz toll lieb haben, ganz zuckersüß mit einander reden und nur gar nix sagen, was vielleicht den anderen in seiner Gefühlen verletzen könnte oder kritische Betrachtungsweisen zu Tage fördern könnte.
 
Kritik betrachten wir als "Angriff", Ideen als unprofessionell, Visionen hat nur ein kranker und Mut zur Tat gilt heute als Dummheit.
 
Gespräche führen wir nur noch in sehr intimen und immer gleichen Zirkeln, was dazu führt, dass wir immer die gleichen Geschichten hören und uns gegenseitig in unserer Realität bestätigen und gar nicht mehr merken, was vor unsere Tür alles geschieht.
 
Gelesen wir ohnehin in der Branche nicht mehr, aus Zeitmangel (?) und was man nicht auf diversen Veranstaltungen vorgetragen bekommt, erfahren wir somit nicht.
 
Wenn wir also alle ganz genau wissen was alles nicht geht, aber immer rnoch nicht darüber nachdenken, was gehen kann ist eine Zukunftsorientierung unmöglich und Geschäfte und Verdienen somit auch.
 
Wir treten am Stand während sich die Nutzer fragmentieren, Angebote - meist internationale - gerne annehmen und der "Werbekuchen" sich ebenso fragmentiert, ohne dass man dieser Entwicklung etwas entgegen zu setzen hätte.
 
Und da sind wir am Punkt: Die Brüder Samwer sind vielleicht deshalb so erfolgreich, weil sie einen ganz pragmatischen Zugang zur Welt zu haben scheinen, der mit dem Satz "lieber perfekt abgekupfert als schlecht selbst erfunden" ganz passabel durchs Leben zu kommen scheinen.
 
Noch ein Hinweis an alle jungen Kollegen: Erfindet so viel ihr könnt, präsentiert es wo ihr nur könnt! Und habt keine Angst davor, dass eure Ideen gestohlen oder lächerlich gemacht werden.
 
Umsetzten könnt ihr in Wahrheit alles was ihr wollt, (derzeit) solange es das Unternehmen nichts kostet und da gibt es aktuell mehr Möglichkeiten als man denkt.
 
Umsetzungen bringen das Risiko zu scheitern mit sich!
 
Und dies scheint die größte vorherrschende Angst zu sein. Scheitern ist nich verächtlich, nur wer nicht wieder aufsteht und weiter macht, der muss sich Gedanken machen.
 
Würden wir unsere Kinder bei ihren ersten (oftmals scheiternden) Gehversuchen tadeln, müssten wir sie bis ins Jugendlichen-Alter im Kinderwagen herumschieben.
Ein Apell an alle Geschäftsführer und Vorstände: Ermutigen Sie Ihre Mitarbeier zur Eigenverantwortung und Innovation, bieten Sie attraktive Aufstiegsmöglcihkeiten für Erfolg und nehmen Sie Misserfolg als wesentlichen Bestandteil der täglichen Arbeit.
 
Schäden können relativ einfach und rasch behoben werden, Fehler ver- und ausgebessert. Stillstand ist jedoch die gefährlichste Situation für jedes Unternehmen.
 
Österreich war einmal ein sehr innovativer Medienstandort. Manchmal sogar ein "Testmarkt". Heute? Es scheint keine Antworten, keine Innovationen und leider auch kein Interesse an Lösungen, oder Zukunftsprespektiven zu geben, zumindst nicht im digitalen Bereich.
 
Es ist eine spannende Zeit und gelichzeitig eine gefährliche. Spannend weil es noch nie so viele Innovationen gab wie heute, die noch dazu ohne Investitionen umsetzbar sind, gefährlich, weil diese Innovationen scheinbar nicht gewünscht sind.
Und so liefern wir uns tatenlos einem Markt aus, der global geworden ist in dem wir nur durch Innovation und die erfolgreiche Besetzung von Nischen weiterhin erfolgreich sein können.
 
Google, Facebook und andere sind keine "Mitbewerber" weil wir über nichts verfügen, was wir in einem solchen "Kampf" erfolgreich entgegen zu setzen hätten. Weder die Kapitalausstattungen, noch die Geschwindigkeit. Was wir aber haben ist die Kenntnis unseres eigenen Marktes, die Kenntnis der Nischen.
 
Sehen wir Google & Co nicht als Feind, oder Mitbewerb, sondern als - wenn auch ungefragt und unfreiwillig - als "Verbündeten" werden wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreicher sein und bessere Strategien entwicklen.
 

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