Online Content - wer soll das alles bezahlen?

19.07.2011 08:01:00 (Kommentare: 0)

Wenn digital nicht gleich digital ist und Maßstäbe unterschiedliche Eichungen haben.

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Das Thema "Finanzierbarkeit" von digitalen - nein genauer - Online-Inhalten ist heute bald 10 Jahre alt. Über die Diskussion sind wir nicht hinaus gekommen.

Umso mehr freut es uns, dass eine Idee, ein Gedankenanstoß, oder - wenn man so will - Konzept, das wir hier im Kommunikations-Journal am 31.012.2010 veröffentlicht haben, scheinbar von niemandem geringeren als dem ÖVP Klubchef und Mediensprecher Karlheinz Kopf aufgegriffen wurde und dank seiner Rede anlässlich des Werbeplanung.at Summit 11 - wie im etat.at nachzulesen - einer sehr breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Ob es nun auf das Lesen unseres Journals, das Zutragen eines Lesers unseres Journals, oder den unermüdlichen Bemühungen unsererseits, diesem Thema politisch Gehör zu verschaffen zu verdanken ist, dass dieser konkrete Vorschlag aufgegriffen wurde, ist am Ende nicht wesentlich. Wesentlich ist, dass hoffentlich weiter ernsthaft daran gearbeitet wird, für diese Branche eine anständige Lösung zu erarbeiten.

Lassen Sie uns darüber reden Herr Kopf!

Es ist höchste Zeit, Lösungen hierfür zu finden, denn die nächste Lösungsnotwendigkeit steht bereits vor der Tür:
Wenn die Produktion und Publikation von Text/Bild Inhalten von gestern im Internet in Medienform schon nicht mehr finanzierbar ist, wie soll die weitaus komplexere, aufändigere und kostspieligere Produktion der Inhalte von heute und morgen dann erst finanzierbar sein?

Und da Bewegtbild im und über das Internet (2015 auf den Flatscreens von 65% der deutschsprachigen Haushalte) das Thema ist, so ist hier höchster Handlungsbedarf, wenn man eine österreichische Medienlandschaft aufrecht erhalten möchte.

Vielleicht gewinnt das "Medium" Internet durch diesen raschen Sprung auf das TV Gerät endlich die Aufmerksamkeit, die seinem aktuellen Stellenwert entspricht. Förderungslose Onlineportale mancher österreichischer Tageszeitungen haben bereits mehr Leser Online als ihre gedruckten "Mutter-Medien".

Die Österreicher verbringen bereits beinahe ebenso viel Zeit mit der Nutzung von Online (Angeboten) wie mit TV (Tendenz steigend).

Es ist nicht nachvollziehbar, warum eine brillante österreichische kreative Film- bzw. Bewegtbildwirtschaft, die ohnehin  ob der Überschaubarkeit österreichischer elektronischer Medienbetreiber nicht mit potentiellen Auftraggebern gesegnet ist, für deren Arbeit nur dann für einen "Digitalisierungsfonds" föderungswürdig ist, wenn sich der Bewegtbildschaffende die Zusicherung einer Ausstrahlungsmöglichkeit für sein Werk (meist zu nachtschlafener Zeit und somit meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit) einer klassischen TV Station versichern kann!

Zum ersten Mal bieten leistbare Technik und kostenfreie Publikationsmöglichkeiten dieser Kreativwirtschaft die Möglichkeit, völlig unabhängig vom "Wohlwollen" oder der Gunst von TV Stationen ihren Werken eine weit breitere und internationalere Öffentlichkeit zu schaffen, als es diese TV Partner je könnten (Stichwort YouTube, Vimeo, Sevenload & Co).

Vor diesem Hintergrund wirkt eine solche Einschränkung mehr als "Feigenblatt" als sie als Förderung verstanden werden könnte.

Eine nahezu an Almosen grenzende Dotierung dieses Fonds, durch den Arbeitsplätze, Kreativpotential und Umwegrentabilitäten geschaffen werden könnten, die ein vielfaches des Fondsvolumens  an volkswirtschaftlichem Nutzen bringen könnte, ist in Anbetracht diverser Banken- und Urlaubslandrettungspaketen beinahe schon beschämend.

Aber zurück zur "AKM Gebühr" zur Förderung von Online Inhalten: Wie bereits in unserem Beitrag ausführlich beschrieben, wäre es höchste Zeit, sich (als Politiker in Medienfragen) mit Medienbetreibern, Telekommunikationsunternehmen und der werbetreibenden Wirtschaft an einen Tisch zu setzen, um tragfähige rasche Lösungen zu erarbeiten.

Die Gunst der Stunde nutzend - steht doch eine Wandlung der allseits beliebten GIS Gebühr hin zur Haushaltsabgabe nach deutschem Modell bereits mit einem Fuß in der österreichischen Tür - haben die Provider kürzlich erst selbst die Diskussion indirekt über das Einheben der neu erfundenen "Servicepauschalen" begonnen, denken laut über die Abschaffung der Netzneutralität nach und sind derzeit die einzigen, die sowohl für den Abruf von Informationen (Download) als auch für die Bereitstellung von Informationen und medialen Inhalten (Upload und Webspace) Rechnungen ausstellen und darüber hinaus auch noch ein drittes Mal mit Traffic Kosten zur Kasse bitten. (Wie das mit einem "Verursacherprinzip" in der Telekommunikationsabrechnungspraktik vereinbar ist, ist nicht ganz nachvollziehbar).

Was die Finanzierung und somit die Bereitstellung von Bewegtbildinhalten betrifft, die wohl unumstritten der derzeit größte nachgefragte Content neben Social Media Applikationen sind, so scheint dies die werbetreibende Wirtschaft (jedenfalls bei uns) erkannt zu haben und in die Hand zu nehmen.

Vielleicht ist dies ein Anstoss, auch für Medienbetreiber, nach gut 10 Jahren der krankhaften Sparsucht und des "Optimierungsfetischismus" wieder einmal ins eigene Produkt und in die eigene Zukunft und das eigene Publikum zu investieren.

Mit vereinten Kräften, substantiellen und ernst zu nehmenden Investitionen, ein bisschen gutem Willen, ein bisschen Erfahrung, ausreichend Handwerkszeug, einem Gläschen Wein und und 10dag Phantasie könnte man in diesem kleinen Land mehr bewegen als mancher zu denken wagt.

Übrigens: die Finanzierungsklemme scheint sich seltsamer Weise im digitalen Bereich ausschließlich auf internetbasierende Inhalte zu beschränken, während digitale TV Inhalte und Medien unter solchen  Nöten nicht zu leiden scheinen.

Dies ist umso verwunderlicher, da die Fragmentierung im klassischen TV Bereich (Free TV ist im übrigen ausschließlich werbefinanziert, weniger nachhaltig und weitaus ineffizienter im Direkt Response und im direkt transaktionalen Bereich und in seiner Messbarkeit) massiv voranschreitet.

Und für die Kollegen aus der Medienwelt eine kleine Erinnerung zur Frage: "OInline Content - wer soll das alles bezahlen?"
Zuerst einmal die Medien selbstverständlich!
Denn: erst Content (Produzieren und in das eigene Produkt investieren), dann Nutzer/Leser/Seher/Hörer, dann Reichweite, dann Werbung und Einnahmen aus direkt transaktionalen Geschäften, Zusatzservices und Revenuesharemodellen etc., dann Unternehmenswert und Medienmarkenwert

Nichts neues also. Wo Nutzer (Konsumenten) sind, da ist Frequenz. Wo Frequenz ist, da ist Verdienstmöglichkeit.

Zur Erinnerung noch einmal ein Diagramm aus unserem letzten Beitrag, der die unerklärliche Asymetrie von Spendings und Stellenbewertung heutiger Medien verdeutlicht:
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(Autor: Roland Ernst Nikitsch)

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