ORF: Kultur kann man nicht nur "ausstrahlen" man kann sie auch leben!

16.01.2012 10:34:00 (Kommentare: 0)

Wenn Unternehmenskultur zum Spartenprogramm wird.

ZiB-Redaktion - Das Protest-Video
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"Einstürzende Neubauten" - der Titel einer Band könnte die aktuelle Situation des Unternehmens ORF nicht besser beschreiben.

Die "Architekten" der "Regenbogen-Koalitionen" für Wrabetz I und Wrabetz II haben vergessen die Statik ihres Gebäudes zu berücksichtigen, das Fundament ist porös, die Fassade ist abgebröckelt, der Neubau eingestürzt bevor er errichtet war und hat die alte Haussubstanz so stark belastet, dass diese den "Dachgeschossausbau" nicht mehr tragen kann.

Was ist schief gelaufen?

Es scheint als ob nicht einmal mehr das Bauwerk ORF bereit ist all das mit zu tragen, was es über sich ergehen lassen muss. Die Belastungen sind zu hoch geworden. Vergleicht man ein Medienunternehmen wie den ORF mit einem Gebäude, so kann man nicht umhin fest zu stellen, dass die Substanz und das Fundament für erfolgreiches Handeln in der Belegschaft zu finden ist.

Zugegeben, wir leben in turbulenten Zeiten, einer sich ganz massiv verändernden Medienwelt und sind mit großen "Ungewissheiten" konfrontiert.

Aber gerade in solchen Zeiten ist Orientierung, Transparenz und Motivation aller besonders gefragt, denn nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann man nicht nur Schiffe heil durch stürmische See steuern, man kann sich in diesen Situationen auch völlig neu erfinden. Und das müsste ein ORF heute definitiv.

Zur Selbsterfindung ist der ORF deshalb verdammt, weil es in unserem Land bis heute nur dann so etwas wie "Medienpolitik" gibt, wenn gerade mal wieder Wahlen vor der Tür stehen. Und diese "Medienpolitik" beschränkt sich dann in diesen Zeiten meist auf das Interesse aller zu wählenden auf möglichst große Einflussnahmemöglichkeit auf solche Unternehmen wie den ORF. Eine zusätzliche unnötioge Belastung für die Redaktionen des ORF vor denen für gewöhnlich ein General-(Intendant) -Direktor schützen sollte um die Integrität des ORF-Journalismus zu bewahren.

Die "Causen" die seit Wochen die Medienberichterstattung bestimmen werden mit den Namen von Personen wie "Pelinka", "Prantner", "Götzhaber", "Ziegler" versehen und lassen den Eindruck entstehen, es handle sich um "Fälle", also Sachverhalte, die untrennbar mit den genannten Personen verbunden wären.

Tatsächlich jedoch sind diese Namen nur Symptome für eine Krankheit die man "Unkultur" nennen muss. Die Pelinkas, Prantners, Götzhabers und Zieglers und die die da noch kommen mögen, sind allesamt austauschbar und könnten auch Müller, Meier oder Huber heissen - ohne Müllers, Meiers oder Hubers damit zu nahe treten zu wollen.

 

Was ist nicht neu?

Absolut nicht neu ist die Tatsche, dass man im ORF nichts wird, sondern zu etwas gemacht wird. Und von wem, weiss man auch seit vielen Jahrzehnten. Was man allerdings dann daraus macht ist Talent und Charakterfrage.

Absolut nicht neu ist auch, dass man "Jobs" oder "Positionen" für Menschen erfindet um sie im ORF "unter zu bringen", oder im ORF "aufsteigen" zu lassen.

Absolut nicht neu ist ebenso, dass kein ORF Direktor, auch nicht ORF Generladirektor wird, weil er fachlich und objektiv tatsächlich der/die Beste wäre - das sollte spätestens seit der Vorbereitung zur Wahl von Wrabetz II bewiesen sein.

Bitte mir das nicht Übel zu nehmen, aber sachlich muss man heute sagen: Wenn man den objektiv besten TV Manager Europas hätte haben können / wollen, hätte man zumindest den Versuch unternehmen können ernsthaft zu verhandeln - denn ein gewisses prinzipielles Grundinteresse an der Aufgabe von Gerhard Zeiler war öffentlich bekannt.

Nicht einmal den Versuch unternommen zu haben mit diesem Menschen zu verhandeln, oder ihn einfach als Stiftungsrat vorzuschlagen ist ein Versäumnis.

Dadurch alleine sollte ausreichend bewiesen sein, dass es hier um ganz andere Interessen gegangen sein muss, als um objektive.

Auch nicht neu ist, dass der ORF alles andere als "ent-politisiert" wurde. Vielmehr handelt es sich wahrscheinlich um einen Tippfehler, das "t" im "ent-" müsste wahrscheinlich korrekter Weise einem "d" weichen. Wäre dem so, gäbe es keine Diskussionen, man wüsste ganz offizeill, dass ORF und seine Besatzung rein "partei-politisch" zu besetzen wären.

Auch das gäbe Orientierung, denn es wäre allen Interessierten klar und transparent, wenn man Interesse an einem ORF Job hätte, wäre eine Mitgliedschaft in einer der österreischischen Parteien Grundvoraussetzung für die Qualifikation. Schön oder nicht - jedenfalls ehrlich und transparent.

 

Aber was ist nun tatsächlich neu? Was ist also dieses "PPGZ - Symptom"? (Pelinka-Prantner-Götzhaber-Ziegler-Symptom)

Es ist ein Verlust von Kultur - Unternehmenskultur. Es scheint, als ob man mit der Erfindung eines Spartenkanals (ORF III) auch Unternehmenskultur zum Nischenprogramm deklariert hätte, nur leider hat man für dieses "Spartenprogramm" noch kein "zu Hause" geschaffen.

Fakt ist aber, dass Unternehmenskultur nichts mehr für die Prime Time zu sein scheint, als "Sendeplatz" nicht mal in den Vorabend gehieft werden kann offenbar auch als zu gering erachtet wird, als dass man es zumindest noch als "Minderheitenprogramm" irgendo der Mühe wert fände im ORF unter zu bringen.

Doch tatsächlicher Weise sollte Unternehmenskultur in der Generaldirektion ressortieren und als "Chefsache" an aller erster Stelle stehen. Denn es ist DIE Unternehmens-CI und -CD, das, was der ORF nach aussen trägt, das was jeder Mitarbeiter nach aussen trägt, in sein privates, wie berufliches Umfeld und - der ORF ist die Summe seiner Mitarbeiter, repräsentiert durch den Generaldirektor und seine Direktorenkollegen und kein Fürstentum.

Das PPGZ-Symtom ist also nichts anderes, als ein klares Signal einer neuen (Un)Kultur, dass an die Aussenwelt, aber auch an die Mitarbeiter des Unternehmens selbst gesandt wird: "Wir sind Kaiser!"?

Anders jedenfalls ist es nicht mehr zu interpretieren und zu verstehen. Und hoffentlich ist es nur ein Missverständnis, dann sollte am Ausdruck gearbeitet werden.

Ohne auf die ohnehin allen ausreichend bekannten Details zu PPGZ einzugehen bleibt eines fest zu stellen: Mit dieser (hoffentlich nur ungeschickten) Vorgehensweise hat man niemendem einen Dienst erwiesen. 

Den betroffenen Personen des PPGZ-Symptoms nicht - ungeachtet ihrer Qualifikation, oder eigenen Begehrlichkeiten - ist dadurch mehr geschadet als geholfen, denn selbst wenn es sich um die "Besten der Besten" für die jeweiligen Aufgabengebiete handeln sollte, jetzt glaubt das keiner mehr. Sie tragen alle die "Punze" des Protektionismus und der "Freunderlwirtschaft".

Fachliche Akzeptanz in der Kollegenschaft ist unwiederbringlich verloren und kann auch durch noch so viel Einsatz dieser Personen nicht mehr hergestellt werden.

Eigentlich müsste jeder der Betroffenen schon im eigenen Interesse auf die jeweiligen Positionen verzichten. Ein erfolgreiches operatives Arbeiten im Sinne des Unternehmens und er Aufgabenstellung ist ab sofort nicht mehr möglich. Jede Zusammenarbeit ist zu stark vorbelastet.

Fazit: Die Vorgehensweise hat eigentlich den Personen jede Chance auf produktiove Erfolg im eigenen Arbeitsumfeld genommen.

Dem Haus ORF ist alles andere als gedient, zumal der ORF von jeher eine "Zielscheibe" abgibt und dadurch nur noch unnötigt exponiert wurde.

Solange der ORF durch sein Anrecht auf Gebührenfinanzierung und die damit einhergehenden Verpflichtungen einen Sonderstatus einnimmt, kommt dem Fürhungspersonal des Hauses auch eine besondere Verpflichtung in der Sorgfältigkeit und Anständigkeit im Umgang mit imagerelevanten Sachverhalten zu.

Noch mehr, wenn diese Innen- UND Aussenwirkung haben.

Der Belegschaft ist nicht gedient, weil man auch ihr jeden professionellen Umgang und jede professionelle Zusammenarbeit mit den Herrschaften dadurch verundmöglicht hat. Fachlicher Respekt wird kaum aufbaubar sein. Zudem bringt man jeden ORF Mitarbeiter dadurch in der Öffentlichkeit ebenso in den Verdacht "protektioniert" zu sein und seinen Arbeitsplatz nicht durch Qualifikation, sondern durch Protektion erhalten zu haben.

Das schadet vor allem Journalisten und behindert nicht nur ihre Arbeit, es stellt automatisch ohne jedes Zutun eines ORF Journalisten die Unabhängigkeit der ORF Berichterstattung in Frage. Jedenfalls lästt es Zweifel an diesem Gut der Unabhängigkeit aufkommen. 

Den als "Urheber" kolportierten politischen Parteien ist nicht gedient, da auch deren Fürhungspersonal in einen Erklräungsnotstand gekommen ist und jedes Dementi mit Personalbesetzungen in Verbindung zu stehen den Dementierenden nur noch unglaubwürdiger macht.

Und letztlich ist auch dem "Gebührenzahler", dem Seher, Höhrer, Leser und - das darf man nie vergssen - dem eigentlichen Eiegntümer des ORF nicht gedient, wenn die Verwalter des Vermögens des moralischen und De-Fakto-Eigentümers (dem Gebühren- bzw. Haushaltsabganezahler) genau diesem zeigen, wie sorglos man mit dessen Vermögen umgeht.

Diesem "Gebührenzahler" kommt eine ganz besondere Funktion zu, da er in seiner Doppelfunktion auch noch das Publikum darstellt, den Konsumenten, den Kunden der Produkte des Hauses ORF.

Man ist neimals gut beraten die eigene Kundschaft, von der man letztlich lebt, vor den Kopf zu stossen. Auch den Eigentümer sollte man nach Möglichkeit höflich iund zuvorkommend behandeln.

Zusammengefasst: Eine völlig unnötige, patscherte und - leider muss man das so sehen - unprofessionelle und dilletantische Vorgehensweise um - welches Ziel auch immer - zu erreichen.

Das alles wäre eleganter und zumindest ohne jede schräge Optik ganz einfach umsetzbar gewesen. Das weiss auch jede gute Führungskraft.

Und dem Generaldirektor selbst ist damit am aller wenigsten gedient. Wie man aus dieser "Nummer" raus kommen soll, ohne weitere Tonnen an Porzellan zu zerschlagen, weiss ich nicht.

Wer das als Teil des Unternehmens erleben muss, hat mein Verständnis für jede Unmutsäußerung. Das gehört sich einfach nicht!

Ich wünsche mir im Sinne der ORF Belegschaft, der ORF Kundschaft und im Sinne der österreichischen Medienlandschaft mehr Kultur im Umgang mit einander, und vor allem - ein bisschen mehr Respekt könnte nicht schaden.

In diesem Sinne: "Wir sind Kaiser!" Sollte eine Satiresendung bleiben und nicht zu einem neuen Führungsstil motivieren.

 

(Autor: Roland Ernst Nikitsch)

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