Tageszeitungen im Wandel - ein Produktproblem?

30.12.2010 09:54:00 (Kommentare: 0)

Wo stehen Tageszeitungen heute?

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Eines der interessantesten Interviews mit Alan Rusbridger, Chefredakteur „the guardian“ über die Zukunft des Journalismus und somit auch über die Zukunft des Tageszeitungsgeschäftes möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:

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Das größte Problem am Tageszeitungsgeschäftsmodell hinsichtlich der Transformation in ein „Internetzeitalter“ ist ihr Produkt an sich.

 
Man produziert Inhalte von enorm kurzer Lebensdauer. Das verdeutlicht der Spruch „Nichts ist uninteressanter als die Nachrichten von gestern“ am deutlichsten.
 
Man ist also gezwungen, sein Produkt TÄGLICH zu refinanzieren und generiert dabei keinerlei Zusatzprodukt, das sich in einer weiteren Verwertungskette noch einmal remonitarisieren ließe.
 
Vergleiche:
Musik: Produzieren von Musikstücken, „Bewerbung“ des Produktes durch sich selbst (über z.B. Hörfunk), Vertrieb über Einzelhandel oder Online, Verwertung des Künstler und der Lieder (Livekonzerte), Generierung einer Live-Version, die abermals in die Verwertungskette eingekippt wird, Verwertung der Rechte für z.B. Remixes und Neuauflagen, Verwertung als Compilation nach Ende des ersten Lebenszyklus (“Best Of“, „Christmas Hits“, „Sommer Hits“, etc).
 
Spielfilm: Produktion, Verwertung über Kinos, Verwertung als Kauf-DVD (Blue Ray), Verwertung Online als Video On Demand Angebote (oft über Dritte), Verwertung über Free- und PayTV.
 
TV: Produktion, Ausstrahlung am eigenen Sender, Verwertung an andere TV Stationen und Betreiber, Verwertung als Kauf-DVD (Blue Ray), Wiederholung am eigenen Kanal, Verwertung als Video On Demand Angebot über Dritte.
 
Print: Erstellung von Ausgaben, Verkauf der Hefte, Verkauf der Inhalte an Dritte (z.B.: Bildmaterial, Rezepte, etc.), Verwertung als Buch (Rezeptbuch, Almanach, etc.)
 
Die Verwertungskette von „Tageszeitungsproduktionen“ ist enden wollend: Produktion der Tageszeitung, Vertrieb der Zeitung, Online-Stellen der Inhalte - und aus.
 
Definiert man sich als Tageszeitung aber neu, bedeutet das eine vollständige Veränderung des Geschäftsmodells. Erfahrungsgemäß halten Unternehmen so lange an einst erfolgreichen Geschäftsmodellen fest, bis sie gezwungen sind, dieses zu verändern, da das alte unter keinen Bedingungen mehr aufrecht zu erhalten ist. In den wenigsten Fällen gelingt dies zu diesem Zeitpunkt dann auch. Meist besteht die Geschäftsmodellveränderung dann zu diesen Zeitpunkten seitens der Eigentümer darin, dass man ein anderes Unternehmen mit funktionierendem Geschäftsmodell erwirbt und „integriert“ (entweder unter dem eigenen Brand, oder als Co-Brand).
 
Tatsache ist aber:
Auch das bedeutet, dass das alte Geschäftsmodell gestorben ist und das „neue gekaufte“ eine Investition war. Substantiell wurden die gleichen Entscheidungen getroffen, substantiell die gleichen Kosten verursacht, substantiell kamen auf Eigentümer, Mitarbeiter und Management die gleichen Veränderungen zu als hätte man eigenständig das Geschäftsmodell verändert.
 
Der gelernte vermeintliche Vorteil: man meint, kein Risiko eingegangen zu sein, indem man etwas funktionierendes teuer erworben hat. Tatsache ist, dass sich im Erwerb des anderen Unternehmens bereits das eigene Versagen manifestiert, im Kaufpreis das Aggio für die eigenen Versäumnisse abbildet.
 
Zurück zum Produkt.
 
Das Produkt an sich lässt also nur zwei Wege für die Zukunft offen:
  1.  Die brutale Variante - nennen wir sie die iPad-Rambo Version

  2.  Die sanfte, evolutionäre Variante - nennen wir sie die Dienstleistungsversion durch Diversifikation und reziproke Fragmentierung.

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