Tageszeitungen im Wandel - Seit gestern ist es ernst: THE DAILY

03.02.2011 18:10:00 (Kommentare: 0)

Murdoch macht den ersten Schritt, wer sind die nächsten?

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Jemima Kiss und Andy Gallagher, Guardian.co.uk, PDA The digital content blog

Wir haben unser Kommunikationsjournal im Dezember 2010 mit einer intensiven Behandlung des Themas „Tageszeitungen“ im Wandel gestartet. 

Grund dafür war, dass in diesem Segment der akuteste Handlungsbedarf hinsichtlich der Stabilisierung des Geschäftsmodells liegt. Nicht zuletzt deshalb, weil Tageszeitungen aufgrund ihrer klassischen Ausprägung am weitesten vom digitalen Geschäft und der digitalen Zukunft entfernt sind und für diese der Schritt in eine digitale Zukunft rudimentäre Veränderungen vor allem im Workflowprozess und in der bisher gewohnten Distribution ein sehr großer (vor allem mental und kulturell) ist.
 
Kolportierte Zahlen:
Investment: US$ 30 Millionen
Kosten / Jahr: US$ 26 Millionen
Jahresabo: US$ 40
VK Preis pro Woche: US$ 0,99
 
Zugegeben: Der Markt für einen „Daily“ ist um ein vielfaches größer als für unsere heimischen Tageszeitungen.
Randbemerkung: Wie hoch waren die Investitionskosten für „Österreich“? Welche Kosten verursacht heute ein „Kurier“, eine „Krone“, eine „Presse“ & Co?
 
Warum diese Randbemerkung?
Weil davon auszugehen ist, dass Tageszeitungen in der Vergangenheit auch in Österreich ein „Geschäft“ haben sein müssen, ansonsten sie wohl nicht betrieben worden wären und weil die Relationen von z.B. den wöchentlichen Kosten einer österreichischen Tageszeitung im Vergleich zu denen von Murdochs „Daily“ zu setzen sind.
 
Soll heissen:
Wenn Herr Murdoch US$ 30 Millionen in eine Produktentwicklung steckt und US$ 26 Millionen Jahreskosten in Kauf nimmt, dann wird er sich das wohl sehr gut überlegt haben. Murdochs Markt ist - zugegeben - um ein vielfaches größer als der für eine österreichische oder deutsche Tageszeitung. Aber: Stehen die Kosten der Produktion einer österreichischen Tageszeitung hinsichtlich des für diese Tageszeitung bestehenden Marktes (Leserpotential wie Werbeeinnahmen) heute schon in einer Relation zum „Daily“? Wohl nicht und dennoch machen wir dieses Geschäft. Weil es sich wahrscheinlich immer noch rechnet.
 
Fazit: Das „Totschlagargument“, man könne dies nicht vergleichen, es seinen zu unterschiedliche Marktgrößen, ist somit ausgehebelt.
 
Das Paradoxon:
Über diese Neuigkeit („The Daily“) berichten so gut wie alle österreichischen Tageszeitungen auf ihren Online Portalen:
 
Krone.at findet leider nicht, dass dies eine Story wert wäre, integrierte Google Suche am Krone Portal funktioniert scheinbar auch nicht korrekt.
 
Die Texte ähneln sich frappant, wie man feststellen kann.
Video konnten wir zu keinem Bericht finden, deshalb haben wir uns erlaubt, eines zu suchen und zu embedden. (Aufwand: ca. 3 Minuten exkl. Video selbst ansehen - zumutbar, wie wir meinen).
 
Was wir nicht verstehen: warum man sich hierzulande nicht auf Geschäftsführerebene ernsthaft und intensiv genug mit diesem Thema auseinandersetzen möchte und dieses Thema - wenn überhaupt - an die Online-Töchter oder Online-Abteilungen delegiert (und das meist, ohne vernünftige Budgets zur Verfügung zu stellen).
 
Wohin die „Reise“ geht, weiss wohl niemand. Eines ist aber sicher: Wenn man nicht bereit ist, für die digitale Zukunft eine ähnliche Investitionsbereitschaft zu zeigen wie für eine „gedruckte“ Zukunft, dann gibt man den eigenen Projekten wohl keine Chance. Was heute wohl unbestritten sein müsste: Die Lesermärkte (Reichweite, Marktanteile) für digitale Konsumenten sind wohl ausreichend vorhanden, die Nutzungsbereitschaft wird täglich bewiesen und ob Bereitschaft für Bezahlung besteht oder nicht - in diesem Punkt verweisen wir auf unsere Beiträge aus Dezember 2010 - scheiden sich die Geister.
 
Obwohl wir leider Herrn Murdoch und seine Mannschaft nicht persönlich kennen, wollen wir dennoch zu dieser Entscheidung gratulieren und wünschen uns (vielleicht vom Osterhasen) ein Erwachen der Österreichischen Medienmacher, auf das wir in unserem schönen kleinen Land auch einer digitalen Tageszeitungszukunft entgegensehen dürfen, denn wir mögen ihre Produkte alle sehr und würden sie digital vermissen.



(Autor: Roland Ernst Nikitsch

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