Von Visionen und langen Wegen - Werbeplanung.at Summit 11 - einfach zum Nachdenken.

18.07.2011 22:39:00 (Kommentare: 0)

oder: wenn Visionen in Wahrheit Déjà_vus sind und Wege nur lange erscheinen, weil der gehende vielleicht lahmt.

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Seit unserem letzten Beitrag sind zu viele Monate vergangen. Mehr Zeit, als wir uns selbst zugestehen würden und mehr Zeit, als wir uns selbst erlauben.

Als Entschuldigung hierfür können wir nur ins Treffen führen, dass wir, als kleine aber feine Digitalagentur uns selbst beweisen wollten, dass man in sehr kurzer Zeit ein CMS (Content Management System) aufsetzen kann, mit dem man (auch wenn dies nur für unsere Kunden mit Passwort sichtbar wird) ganze Medien betreiben kann.

Die Arbeit ist erledigt und die Welt hat sich weiter gedreht. Gott sei Dank!

Das veranlasst uns auch auf die teilweise recht seltsam anmutenden Erkenntnisse mancher Teilnehmer des Werbeplanung.at Summit 11 zu replizieren.  Insbesondere auf den Bericht im Etat.at: "Visionen, mit Red Bull ins Wohnzimmer zu kommen"

Manche Schlüsse, die manche Herren hier ziehen, sind mehr als fragwürdig und widersprechen sich schlicht weg enorm.

Zitat (Quelle: oben verlinkter Artikel etat.at):
"Die Geräteindustrie ist völlig baden gegangen mit 3D - also musste schnell ein neues Thema her": Bernhard Hafenscher, Head of Business Development bei Red Bull, sieht das Thema Hybrid-TV beim "Summit" von Werbeplanung.at durchaus nüchtern: "Wir müssen aufpassen, dass das nicht alles am Konsumenten vorbeigeht." 

Das neue Thema, wie man interpretieren muss, das hier gemeint sein muss, ist wohl Internet TV.

"Hafenscher wundert, dass praktisch alle Angebote von Hybrid-TV "vorne das blaue f" von Facebook haben. Er fragt sich, ob man "die persönlichste aller Internetanwendungen auf dem sozialsten aller Medien" auf einem 46-Zöller machen will.

Dennoch sieht Hafenscher in Hbb-TV "unter dem Strich" einen "super Ansatz". Der auch zum Plan passe, mit dem das Red Bull Media House 2007 gegründet wurde: "Unsere Vision war, mit Red Bull in die Wohnzimmer zu kommen." Nachsatz: "Es ist ein langer Weg, bis wir dort sind."

Derzeit ist sein Haus dabei, Red Bull TV für "verschiedene Connected-TV-Plattformen umzusetzen". Dabei bereiten die vielen Standards "Kopfzerbrechen" - Hbb-TV etwa erreiche alleine den deutschsprachigen Raum und Benelux-Länder, "in Holland ist es schon wieder vorbei". "Solange es keinen wirklich gültigen Standard gibt, lassen wir viel Potenzial liegen."...

..."Hbb-TV, "das ist ein sehr frühreifes Segment": Damit erinnerte Hafenscher wie Florian Skala (IP Austria/RTL) und Michael Stix (Sevenone/Puls 4) an die tatsächliche Verwendung von internettauglichen Geräten: 20 bis 30 Prozent der Käufer von Hbb-tauglichen Geräten werden auch tatsächlich mit dem Internet verbunden.

1) Warum die "Geräteindustrie" erwartungsgemäß mit 3D "völlig baden gegangen ist" ist einfach zu begründen:
1.1)  Wie viele Inhalte in 3D gibt es aktuell am Markt? Wie groß ist die Bereitschaft der Content Industrie in 3D Produktionen zu investieren? Beides ist mehr als überschauber.

Endlose Debatten würden uns zur "Henne Ei" Diskussion bringen und die würde uns nicht weiter bringen.

Fazit: wo kein Content, da kein Bedarf am Spezialgerät. 

1.2)  Die meisten dieser Geräte (oder besser fast alle) verlangen vom Nutzer, sich lustige Brillen mit zwei unterschiedlich färbigen Beglasungen aufzusetzen um den 3D Genuss zu erleben. (Ist vielleicht auch kein besonderer "Kick") und selbst wenn es allen Content in 3D gäbe: wollen Sie  - im schlimmsten Fall mit 2 Brillen übereinander - sonst mit einer Brille - vor dem Fernseher hocken?

Wer Full HD kennen gelernt hat, weiss, dass diese Schärfe nicht immer glücklich macht. Es gibt auch Dinge und Menschen, die man nicht unbedingt so scharf sehen möchte, wie man sie geliefert bekommt (Stichwort: Lugner & Co, aber den gibt's ja glücklicher Weise noch nicht in HD). All das nun noch in 3D - nicht auszudenken!

Man stelle sich vor: Lugner, Katzi, Mausi & Co stehen tatsächlich in Ihrem Wohnzimmer! Die schützende Distanz zwischen TV Schirm und Couch wäre weg - wer will das schon?

Ernsthaft: Die Griechenlandkrise, Eurokrise, Finanzkrise,... das alles gewinnt nicht durch 3D, es ist real genug, CSI, Criminal Intent, Cougar Town, oder mein Cooler Onkel Charly wären wahrscheinlich auch in 3D kein echter Zugewinn.

Das 3D TV also nicht DER Renner des 21. Jahrhunderts werden würde, war wahrscheinlich für jeden TV Konsumenten absehbar, zumal jeder der vor 1980 geboren ist, auch hier ein Déjà_vu erlebte.

Wenn wir aufpassen müssen, dass "nicht alles am Konsumenten vorbeigeht" könnte man sich ja einmal beginnen damit zu beschäftigen, was denn diese komische Spezies "Konsument" eigentlich tatsächlich macht.

Und würde man das tun, stellte man folgendes fest:
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Nach dem Zeitaufwand für TV verbringt dieser Konsument fast gleich viel Zeit mit dem komischen Internet. (Wahrscheinlich, weil es dort fast keine Inhalte gibt?)

Anmerkung: Das Bild ist anklickbar und vergrößerbar. 

Sprechen wir vom "werberelevanten" Konsumenten wird das ganze noch drastischer und spricht man von 14 bis 17 Jährigen, die im Besitz einer Spielekonsole sind, dann beobachten Sie die doch mal, wofür die diese Dinger verwenden! Sie benutzen Sie als Internetterminals in Verbindung mit dem Flatscreen im Wohnzimmer!



Die tatsächlichen Verkaufszahlen des Jahre 2010 sprechen für sich:
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Und das sind lediglich die Absatzzahlen von einem Jahr. Beachtet man, dass Internet am TV bis heute noch alles andere als massiv beworben oder kommuniziert wurde, (im Gegensatz zum iPad und den Hype um diese Hardware) dann kann man den - nach eigenen Angaben - "konservativen" Prognosen der Unterhaltungselektronik-industrie (wie man die "Gerätehersteller" auch nennen kann) von 65% technischer Reichweite von Internet am TV in Wohnzimmern in deutschsprachiger Haushalten bis 2015 gut verstehen.

(Bild Großansicht)



Die Anschaffungswünsche sind auch nicht unbeachtlich:
tl_files/Blog/Beitrag 18_07_2011/HW Studie Grafiken Animiation.008.pngWürde man heute Befragungen zu Hbb-TV durchführen wollen, müsste man sinnvoller Weise erst einmal beginnen zu erklären, was das eigentlich ist. Man müsste zeigen, wie das anmutet und funktioniert und man müsste wahrscheinlich Überlegungen anstellen, wie viel Inhalte man wie rasch für Hbb-TV wohl aggregieren oder produzieren könnte. 

Bei den derzeitigen Sparkursen der Medienunternehmen ist wohl nicht damit zu rechnen, dass neuerdings massiv in die Produktion oder Konfektion von Inhalten - und schon gar nicht für Hbb-TV investiert werden wird, existieren doch nicht einmal noch Vorstellungen für Refinanzierungsmöglichkeiten, oder gar seriöse Vermutungen hinsichtlich einer technischen, oder gar daraus ableitbaren faktischen Reichweite oder Nutzung.

Ganz andere Startvoraussetzungen hat da wohl Internet-TV (Hybird TV) in welcher Form auch immer. Contents (und immer mehr im Bewegtbildbereich) sind ausreichend vorhanden, werden stündlich mehr und die Bedienung, der Nutzen und die Adressen (zum Abruf) sind bereits wohl bekannt.

WIe Herr Hafenscher völlig richtig feststellt, hat man sich bei Hbb-TV nicht einmal noch auf einen Standard einigen können. 

Der "super Ansatz" besteht wohl ausschließlich aus Sicht eines klassischen TV Anbieters, der in Hbb-TV die Hoffnung sieht, gewisse Properitäten dadurch weiter aufrecht erhalten zu können und immer noch dem Irrglauben verfallen ist, einen "Anspruch" als Gatekeeper  auf das Gerät in unseren Wohnzimmern zu haben.

Auch hier werden es voraussichtlich andere sein, die auch dieses Geschäftsmodell, wie bereits andere Geschäftsmodelle von Medien,  durch Handeln statt Reden ins Wanken bringen werden - Google könnte einer davon sein und kein unwesentlicher.

Generell ist anzunehmen, dass Google (kein ganz unerfolgreiches Unternehmen übrigens) wohl ernst zu nehmende Überlegungen beim Launch von Google TV angestellt haben dürfte und vielleicht auch die eine oder andere Überlegung hinter dem Betrieb seltsamer und auch nicht ganz unerfolgreicher Videoplattformen wie YouTube steckt.

Vielleicht könnte das alles auch erklären, warum man auf YouTube seit geraumer Zeit auch einen HD Modus anbietet. Alles Zufall?

Man könnte sich auch einmal mit der Firma D-Link in Deutschland unterhalten. Die stellen seltsame Geräte namens "Boxee Box" her und vertreiben diese auch noch! Und das enorm erfolgreich. Dort würde man erfahren, dass diese seltsamen Dinger weg gehen, wie die sprichwörtlichen "warmen Semmeln".

Vielleicht irren auch Sony, Samsung, Philips, LG & Co, wenn sie glauben, dass ihnen irgendwer - ausser den läppischen 315.000 Österreichern und den vernachlässigbaren 3,5 Millionen Deutschen "Konsumenten" im letzten Jahr - auch heuer einen Internet TV Flatscreen abkauft? Und das, obwohl die Bewerbung dieser Geräte und den darüber konsumierbaren Inhalten und Services nicht einmal noch begonnen wurde.

Alles gute Gründe für manche um zu erkennen, warum Internet am TV keiner will; laut Überlegungen und Einschätzungen selbiger - wie zu lesen ist - wohl ähnlich erfolglos bleiben wird wie 3D TV und Hbb-TV nicht nur ein guter Ansatz sei, sondern offenbar auch die Zukunft.

Wenn das nur diese komischen Konsumenten gefälligst auch so sehen würden, wäre ja alles in bester Ordnung.

Und was das komische "f" auf diesen seltsamen Internet TV Dingern soll, ist leicht erklärt. Nicht, dass irgendwer ernsthaft vermeinen würde - und das ist jetzt nicht ironisch gemeint -  gruppentherapeutisches "Facebookeln" wäre gefragt - dieses "f" erfüllt einen ganz anderen Zweck: den der Programmpromotion.

Beispiel: Die Irrwege (auch im Internet) waren mannigfaltig. Es gab Zeiten, in denen man von technischer Begeisterung getrieben meinte, man müsse - weil man es technisch könne - jedem seine individuelle elektronische Tageszeitung zusammenstellen (lassen). Das hatte den Nachteil, dass das keiner wollte, weil es a) nicht die Idee von Medienkonsum ist, sich die Inhalte selbst zusammen zu stellen, sondern sie eben zu "konsumieren" und b) weil wenn jeder etwas anderes liest (sieht), den Menschen eine wichtige soziale Sache abhanden kommt: das gemeinsame Gesprächsthema!

"Haben Sie gestern in der Zeitung gelesen?" - wäre dann wohl ausgestorben , oder "was sagen Sie zur Griechenlandkrise" heute wahrscheinlich kein Thema, weil die Antwort wahrscheinlich lauten würde "Welche Griechenlandkrise? Ich lese nur Sport und Horoskop!"

Das "f" hilft da weiter. Es ist eine Hilfe in der Orientierung von fragmentierten Inhalten, Nutzungen und Zielgruppen. Es zeigt mir, wer in meiner sozialen Gruppe (meine realen sozialen Umfeld) was mag, was liest und was konsumiert. Es schlägt mir Contents/Services vor. Und diese werden mir von Menschen, mit denen ich in realer Verbindung stehe, zu denen ich einen Bezug habe, die ich vielleicht schätze und deren Urteil und Geschmack ich vielleicht vertraue, vorgeschlagen.

Das "f" macht in dieser Neuen Welt das, was Medien für gewöhnlich "Eigen-" oder "Programmpromotion" nennen. Mit einem Unterschied: der Absender ist mir unverdächtiger, denn von dem weiss ich: der will mir kein Abo aufdrücken oder hegt keine damit verbundenen kommerziellen Interessen.

Medienprofis des 21. Jahrhunderts sollten sich also über dieses "f" und auch über das neue "Google+" sehr freuen.

Der Weg ist also nur dann ein langer, wenn man Interesse daran hat, dass er möglichst lange ist. Die Abkürzung ins Wohnzimmer haben wir ja hier beschrieben. Ab EUR 112,- sind auch Sie heute schon dabei, wenn Sie wollen! Und es wird monatlich billiger. Besuchen Sie doch wieder einmal den Elektronik- und Unterhaltungselektronikfachhändler Ihrer Wahl - es lohnt sich!

In diesem Sinne: Auch ein langer Weg beginnt mit dem ersten Schritt! Seien Sie mutig! Machen Sie ihn! Wir begleiten Sie auch gerne. Und: Reden kann man auch beim gehen!
 

(Autor: Roland Ernst Nikitsch

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