Warum Google die Medienwelt grundlegend verändert hat

04.07.2012 15:55:00 (Kommentare: 0)

Google und Facebook als Chance erkennen.

"Wie Google den Journalismus verändert" NDR - auch dieses Video passt nicht nur zu diesem, sondern auch zu meinem meiner vorgehenden Blogs (Axel Springer vs. Google: Ein Irrtum?".

 

Google und Facebook als Chance statt "Bedrohung" für das Mediengeschäft sehen!

 

Google ist in erster Linie eine Suchmaschine.

 

Vielleicht auch eine "Art" Portal, wenn "Portal" dann aber "Service" Portal, aber definitiv kein Medienportal.

 

Und dennoch hat Google die Medienwelt, die Medienbranche und das dem zugrunde liegende Geschäftsmodell erheblich "gestört", respektive massiv verändert.

 

Wahrscheinlich ist das der Grund, warum bis heute kaum jemand weiss, wie man mit dieser neuen Situation als Medienbetreiber umgehen soll, wo der eigene neue Platz in den Wertschöpfungsketten liegt und was es aufzugeben, was es zu verändern und was es völlig neu zu denken gibt.

 

 

Die Welt vor Google:


Medienbetreiber der unterschiedlichsten Gattungen bewegten sich in stark abgegrenzten, regionalen oder nationalen Märkten und Grenzen.

 

Man produzierte ein Produkt bestehend aus relevanten Informationen und/oder Unterhaltungselementen, "verteilte" das auf welchem Weg auch immer und schaffte dadurch eine Art "Monopolstellung".

 

Das Monopol bestand darin, dass wenn ein "Anbieter" einem potentillen Kunden etwas "mit zu teilen hatte" keine andere Möglichkiet bestand, als es über diese Medien zu tun.

 

Wollte man also an den Endverbraucher kommunizieren, musste man ein Kommunikationsmittel hertsellen (lassen) und dieses über die Medien mittransportieren lassen.

 

Das war letztlich die Geschäftsgrundlage fast aller Medien. Überspitzt formuliert: das Einheben einer "Mautgebühr" für den Transport von Botschaften über die eigenen Wege.

 

Dann kam das Internet.

 

Das Internet selbst veränderte noch nicht all zu viel an diesem erprobten Modell, denn die Medienuternehmen schafften dort wieder Produkte, auf denen sie die Konsumenten erfolgreich "sammelten" und wer auch immer eine Botschaf - eine Webseite - an den Internetnutzer transportieren wollte, und das möglichst effektiv, konnte mn das eben auch nicht anders als auf und über die Seiten der Medienbetreiber die "Transportmaut" zu entrichten.

 

So lange das so war und die ersten Suchmaschinen zwar ergebnisse brachten, die mit denen von Google nicht zu vergleichen sind, und so lange sich das Medienkonsumverhalten fast 1:1 im Internet wie in den bsiher bestehenden Gattung verhielt, war alles so weit in Ordnung und sah auch ganz passabel aus.

 

 

Die Welt nach Google:

 

Zwei wesentliche Dinge sind passiert:

 

Die Menschen haben sich an die Nutzung des "Übertragungsmediums" Internet und dessen Bedienung gewöhnt und "surfen" mittlerweile intensiver, als sie das früher jemals taten.

 

Vergleichbar mit dem TV Konsumverhalten im deutschsprachigen Raum. Erst agb es ausschließlich öffentlich rechtliche Sender. Ab 1986 begann der deutsche Privatrundfunk (Privat TV) um den Bildschirm der Seher mit zu kämpfen und um die Gunst des Sehrer.

 

Immer noch waren die Gewohnheiten eingefahren und langsam (im Vergleich zu heutigen Internetentwicklungen) begannen die Menschen ihre TV Vorlieben zu verändern und zu fragmentieren.

 

Heute wird bei über 300 Kanälen TV Angebot im Haushalt "gezappt" und im Internet eben "gesurft".

 

Für das "surfen" ist Google hauptsächlich verantwortlich, denn Google ist - wenn man so will - die Programmzeitschrift des Interenets.

 

Wer im Internet vorhanden ist, kann also auch gefunden werden.

 

Und der Konsument hat zu suchen gelernt und zu suchen begonnnen.

 

Das bedeutet (auch wieder überspitzt formuliert): Nun muss der Fleischhauer an der Ecke mit seiner Webseite und seinen Angeboten nicht mehr Banner auf "News.at" schalten um überhaupt wahrgenommen zu werden oder die Chance zu haben wahrgenommen zu werden.

 

Internetkommunikation hat sich von einer zu Beginn eher "passiven" und von Medienanbietern bestimmten Trafficgenerierung zu einem "On Demand" Kommunikationsplatz entwickelt. Wir erinnern uns an umfangreiche Berichterstattungen über neues im Innternet in den Printmedien und im TV und die damals noch hervorragen funktionierende Converiosn über die jeweiligen Mediengattungen hinweg.

 

Einen wieteren Vorteil bot Google: Google war gratis, oder - wenn kostenpflichtig - auch für den Fleischhauer ums Eck leistbar.

 

Google hatte für alle etwas anzubieten. Das relativierte aber auch die Tarife und führte zum ersten Mal ein performance abhängiges Modell auf breiter Basis ein.

 

Eine völlig neue Welt, völlig neue Möglichkeiten, Chancen und Herausforderungen.

 

Die weiteren Entwicklungen sind bekannt.

 

Dass heute Google auch für einen nicht unerheblichen Anteil am Traffic vieler Medienportale verantwortlich ist, ist ebenso bekannt.

 

Es entsand eine erstmalige "Abhängigkeit" der Medienbetreiber - der bisherigen "Gatekeeper" - von einem anderen, branchenfremden.

 

Google schien mit seinen Angeboten und Services genau den "Nerv" des Konsumentenwunsches getriffen zu haben. Das Bessere ist eben immer der Feind des Guten.

 

Dieser neue Mitspieler naschte am selben Kuchen, sowohl was die "Aufmerksamkeit" der Endverbraucher und somit die Reichweite und Nutzungszeiten bertraf  mit, als auch was das Klientel betraf, dass bislang eine der wesentlichsten Finanzirungs- und Einnahmequellen der Medien darstellte und auf den Einnahmen aus dieser Klientels man mehr oder weniger bislang ein "Monopl" hatte.

 

Und der Kuchen wurd bis heute nicht größer, im gegenteil, der Kuchen wurde kleiner.

 

Was nicht geschah ist, dass man sich seitens der Medienternehmen darüber ernsthaft Gedanken zu machen begann, welche notwendigen Veränderungen man selbst als Medienunterhemen herbeiführen müsse um in einer solchen neu "aufgeteilten" Marktsituation erfolgreich neben einem immer größer werdenden und nicht mehr aufhaltbaren "Giganten" bestehen zu können.

 

Es bestand aber auch keine Notwendigkeit, denn die "Internetblase" war ja gerade geplatzt, die "klassischen Medien" feierten eine nicht voraussehbare Rennaisance, Internet war vermeintlich tit und ohnehin ganz "pfui" und die Geschäfte liefen prächtig.

 

Welche neuen Aufgaben siche für ein Medienunternehmen aus dieser Situation ergeben würden war nicht mehr wichtig? Man dachte nicht darüber nach. Welche neuen Chancen und von welchen Modellen oder Bereichen gilt es sich zu verabschieden, da sie nicht mehr "gebraucht" werden, war auch die weiteren Jahre kein Thema.

 

Und "gebraucht" - das ist auch neu - bestimmt heute der Konsument und nicht mehr das Medium. Auch das war einmal anders. Der Einfluss der Medien auf die Konsumenten war stärker. Trends wurden von Medien gamacht, heute lässt man Studien am Endverbrauchermarkt anstellen um zu erfahren was der Trend ist.

 

Google hat ein Tor geöffnet. Facebook & Co kamen nun auch noch dazu und beschleunigten die Fragmentierung der Nutzer, Nutzergruppen und Interessen.

 

Als Medium sollte man heute ein guter Fischer sein. Man sollte dahin gehen, wo die Fischschwärme sind und die "Netze" auswerfen.

 

Praktisch gesprochen bedeutet das:

  1. Mein Content ist meine Marke.
  2. Meine Marke, also mein Content kann auch dort sein, wo die Nutzer sind.
  3. Kommt der Nutzer nicht zu mir, kommt mein Content zu ihm.

 

Vielleicht ist das eine große Chance. Vielleicht kann man durch die Distribution des eigenen Contents seine Reichweite sogar vervielfachen.

 

Der Content jedoch wird ebenso fragmentiert, aber kumuliert ist das reichweitentechnisch wieder egal.

 

Verabschieden wir uns doch eine gedankliche Minute von der Gewohnheit, dass Medien an "bestimmten Orten" stattfinden müssen, also dort, wo man den Content (die verschiedenen Inhalte) aggregiert und versuchen wir uns vorzustellen, dass z.B. unser TV Programm-Guide gar nicht mehr auf unserer "www-Adresse" genutzt wird, sondern ganz wo anders und unsere Sportberichtertstattungen auch.

 

Was wenn wir diese Content-Fragmente erfolgreich distribuieren würden und die "Werbung" gleich mit?

Was wenn wir unseren Content, unsere Marke, dahin bringen, wo der Nutzer ohnehin schon ist anstatt zu versuchen ihn zu unserem "aggregierten" Angebot zu convertieen?

 

Es geht doch letztlich um Kontakte und Kontaktqualität (Verweildaueren und Nutzerprofil) und schon lange nicht mehr um "den Ort der Begegnung".

 

Das ist im übrigen kein neuer Gedanke und keine neue Praxis.

 

Wir machen das heute schon.

 

Wir stellen unsere Contents für verschiedene Endgeräte in verschiedenen "Ausprägungen" bereit.

 

Warum also nicht noch einen Schritt weiter gehen? Distribution über verschiedene Kanäle, die nicht uns gehören aber frei sind?

 

Ob das ein erfolgreicher Ansatz sein wird, oder nicht, werden wir nur herausfinden können, wenn wir es versuchen.

 

Es kann auch nicht funktionieren. Tatsache aber ist, wir können bei diesem Versuch nichts verlieren, denn das "alte" Modell bleibt ja immer noch, wir können nur (Reichweite) gewinnen, oder am selben Stand bleiben wie heute.

 

Dieser Versuch ist jedenfalls weit risikoloser als der Sprung hinter die Paywall.

 

Einen Versuch wäre es wert, meinen Sie nicht?

 

Und: in diesem Szenario wäre Google kein Feind, Facebook kein Feind und beide keine Mitbewerber. Sie wären hilfreiche und willkommene Partner.

 

(Autor: Roland E. Nikitsch)

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