Who's gonna pay for Content? The answer is: nobody!

05.07.2012 13:39:00 (Kommentare: 0)

Lösungswege aus einer falsch geführten Diskussion

Der König eines kleinen Königreiches ist traurig. Seit Jahren schon. Sein Hofnarr gibt sich alle Mühe um seinen König zu unterhalten und ihm zumindest ein Lächeln abzuringen. Erfolglos. Der Hofnarr fragt seinen Herrn: "König, warum bist Du so traurig?" Der König antwortet: "Jedes mal wenn in meinem kleinen Königreich ein neuer Mensch das Licht der Welt erblickt, stirbt ein anderer. Das macht mich traurig!".

Der Hofnarr überlegt. Er stellt sich auf den Kopf und sagt zum König:"Mein König, ich sehe das genau umgekehrt! Freue Dich doch, denn jedes Mal, wenn in Deinem Königreich ein Mensch stirbt, wird ein neuer Mensch geboren!"

Und so versuche ich als "Hofnarr" der schreibt und schreibt und schreibt, mit Menschen spricht und spricht und spricht, mich auf den Kopf zu stellen und versuche eine Sichtweise zu vermitteln, die - wenn man seinen Blickwinkel ändert - zu glücklichen, erfolgreichen und zufriedenstellenden Lösungen führen kann.

Aktuell beschäftigt uns in der Medienwirtschaft die Frage: Wie können wir es anstellen, dass man unsere Inhalte nicht "stiehlt", "kopiert", oder kostenfrei nutzt? Wie können wir damit Geld verdienen? Wie können wir von jemandem Geld bekommen für unsere Produkte und Leistungen?

Stellen wir uns auf den Kopf und betrachten wir die Situation doch einmal aus der umgekehrten Perspektive! Aus der des Nutzers.

Was wäre, wenn wir bereits die ganze Zeit bezahlt bekommen würden und es nur nicht merken, weil wir die Währung nicht erkennen?

Tatsache ist: es geht heute alles um "Sharing", also Teilen. Tatsache ist, es geht um Zugang und nicht um "Besitz". Tatsache ist, es geht um Verbreitung und Daten und nicht um "Produkte". (© Gerd Leonhard)

Was bdeutet das? Ich versuche es am Beispiel Musikindustrie zu demonstrieren. Wir erinnern uns zurück in das Zeitalter der Venylplatten, Radiosendungen, Walkmen und Musikkassetten.

Wie war die Welt damals? Kaum einer von uns besaß all die Platten, die wir hörten. Kaum einer hatte eine ansehnliche Musikbibliothek zu Hause und kaum einer hätte das auch je mit seinem Taschengeld, oder seinem Einkommen finanzieren können.

Aber alle hörten wir Musik, viel Musik und die Musik, die uns gefiel und dann, wenn wir sie hören wollten. Nicht viel anders als heute.

Ich glaube das sind die Zeiten, die 1970er bis Mitte der 1990er Jahre, die die Musikindsutrie meint, wenn sie von "früher" spricht und von "funktionierenden Musikmärkten".

Damals wurde ebenso viel "kopiert" wie heute, ebenso viel "gestohlen" wie heute und ebenso viel "geteilt" wie heute.

Glauben Sie nicht? Doch.

Diejenigen, die ein Platte hatten, kopierten diese auf Leerkassetten für ihre Freunde, wer tat das nicht, und die die ein Doppelkassettendeck hatten kopierten die Kopien von Kassette auf Kassette weiter - wieder für Freunde.

Damals wusste man nur noch nicht, dass man hier illegales Filesharing betrieb, denn das gab es nicht und illegal war es auch nicht. Aber man tat es, denn die Magnetbänder in den Kassetten waren nichts anderes als die Magnetplatten in unseren Festplatten heute und eine Kassette an einen Freund weiter zu geben war nichts anderes als "Filesharing".

Streaming gab es auch schon damals.

Es waren die Radiosendungen. Wir erinnern uns an "Hit wähl mit!" auf Ö3 (656731 war die Telefonnummer und Udo Huber der Moderator).

Wir erinnern uns an die Hitparade und an all die vielen Sendungen, in denen man sich Musiktitel wünschen konnte und dann auch noch oftmals den Anrufer sagen hörte: "Bitte spielt's mir heute von den Loosers 'why always me' und bitte spielt's den Titel ganz aus, ohne reinquatschen, damit ich ihn endlich ganz aufnehmen kann!"

Damals konnte man sich "illegales Mitschneiden" von Strems sogar öffentlich wünschen und der Wunsch wurde nicht nur erfüllt, das Bekenntnis zur "illegalen" Handlung, das öffentliche "Geständnis" und die Ankündigung der "Straftat" wurde sogar noch übers Radio ausgestrahlt!

Und nichts ist uns passiert.

Warum? Weil es lagal war.

Und warum war es lagal? Weil man auf Leerkassetten die in der Produktion (z.B.:) 15 Groschen gekostet hatten und um (z.B.:) 10 Schilling verkauft wurden eine "AKM" Abgabe einhob, die dazu diente, die Tantiemen an Künstler, Verlage & Co einzuheben und zu verteilen.

Ich glaube man lebte damals ganz gut mit dieser Lösung und alle waren einverstanden und zufrieden. Niemad musste ins Gefängnis, Strafen bezahlen oder wurde "Disconnected" also vom "Radio getrennt".

Und deshalb war es damals anders, nämlich legal.

Legal, weil man eine Lösung hatte. Die Lösung hatte man, weil man die damaligen technischen Vorgänge verstand und eine diesen Vorgängen entsprechend sinnvoll angepasste Lösung gefunden hatte, die tragbar war und von allen aktzepiert werden konnte.

Was tun wir heute: wir kriminalisieren über 90% aller Jugendlichen die heute nichst anderes tun als wir damals auch getan hatten. Unser jugendlichen und deren Eltern sind heute deshalb kriminell - unfreiwillig - weil wir bis heute nicht fähig waren für etwas was seit den 1970er Jahren legal passiert eine Lösung zu erarbeiten!

Die Festplattenabgabe war zwar schon mal ein halbwegs brauchbarer Ansatz, weil man offenbar zumindest verstanden hat, dass die Leerkassette heute nicht mehr verwendet wird.

Der Ansatz hilft aber nicht weiter, denn wenn ich heute ein Musikvideo auf YouTube stellen würde (illegal nach derzeitigem Stand der Rechtslage) würde das nur dann zu "Einnahmen" führen können, wenn es auch gespeichert würde - auf einer Festplatte.

Da ich aber heute um YouTube zu nutzen kein Gerät benötige, dass eine Festplatte integriert hat - was genau mache ich also technisch gerade?

Gehen wir davon aus, dass es nicht um Besitz sondern um "Zugang" geht.

Und stellen wir mal in den Raum, das EUR 1,- (pro Monat) eine leistbare Größenordnung ist.

Und erlauben wir uns zu erkennen, dass ich einen Zugang brauche um an den oben angesprochenen Daten-Konsum Teil nehmen zu können, dann wäre es vielleicht ein brauchbarer Ansatz auf jeden Internetzugang - also jeden Account - eine "AKM" Abgabe einzuheben.

Das wäre - in Österreich - bei ca. 6 Millionen Internetaccounts (inkl. Handyaccounts) eine Summe von - je nach dem wie oft ich das einheben will, zwischen EUR 6.000.000,- im Jahr, wenn ich sie einmal jährlich einheben wollte, oder EUR 72.000.000,- bei monatlicher Einhebung.

Damit kann man ja schon was anfangen, denke ich, wenn man sich ein bisserl einschränkt.

Administriebar ist es auch, denn die Provider schlagen auf, verrechnen und überweisen und die AKM macht das, was sie seit Jahrzehnten macht: sie verteilt.

Tatsache ist, dass jeder User heute bereits seine Gebühren für den Konsum entrichtet hat.

Wir bezahlen an den Provider Grundgebühren und Datengebühren.

Macht der Provider also Umsätze mit der Verrechnung von Datenmengen, so kassiert er gerade möglicher Weise Geld für die (illegale) Übertragung und Bereitstellung von Musikstücken, Videos, etc.

Wir haben es in Deutschland geschafft die "Haushaltsabgabe" einzuführen und in Österreich wird das wahrscheinlich 2013 die derzeitigen Rundfunkgebühren ablösen.

Wenn wir heute in Österreich bereits Parteienförderungen über diese Rundfunkgebühr einheben können, warum nicht noch einen EUR für die AKM? (das wären dann zwar nur 3,4 Millionen Euro bei der aktuellen Haushaltsanzahl, aber auch nicht schlecht).

Ich vermute, dass es bis heute keine sinnvollen und endkriminalisierenden Lsöungen hierfür gibt, weil sich auch in der Musikindstrie keiner mit diesen Technologien auseinandersetzen möchte. In der Politik sowieso keiner.

Im Mediengeschäft verhält es sich ähnlich.

Paywalls werden nicht funktionieren. Der Nutzer zahlt auch hier bereits.

Einerseits mit seiner Aufmersamkeit, die der Werbetreibenden Wirtschaft verkauft wird, andererseits mit seinen Daten, die er dem Medium überlässt (Stichwort: Tracking) und - last but not least - ebenso wie bei der Musik - für den Zugang (den Access, seinen Internetanschluss).

Um Gerd Leonhard zu strapazieren: "Wenn Sie nicht galuben, dass man Musik, oder anderen Content durch Werbung finanzieren kann, dann schauen Sie in die falsche Richtung! ...Wir müssen einen Weg finden diese Dinge auch zu lizenzieren, denn es ist einfacher einen Weg hierfür zu finden, als 5 Milliarden Menschen dazu zu bringen sich und ihre Ansichten und Gewohnheiten zu ändern!"

Modelle gibt es. Verdammt gute Alternativen zu Paid Content und Paywalls und dem Kriminalisieren von genau denen (den Nutzern) von denen wir letztlich auch heute (gut) leben!

(Autor: Roland E. Nikitsch)

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